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Noch fahren oder schon transportieren?

© Foto: ddp / Jens Schlueter

Die Anforderungen an IT-Systeme erhöhen sich, will der Straßengüterverkehr künftig die vorhergesagte Nachfrage bedienen. In der aktuellen Erholung zeigen sich in bestimmten Marktsegmenten erste Kapazitätsengpässe.


Datum:
16.09.2010
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Die Güterverkehrsleistung in Deutschland steigt in Zukunft ordentlich an. Wer das vorhersagt, gibt keine waghalsige Prognose ab. Die spannende Frage lautet aber: Um wie viel? Das Beratungsunternehmen Progtrans versucht in regelmäßigen Abständen, Antworten darauf zu geben. In diesem Jahr legte es hierfür seinen „World Transport Report 2010/2011“ (WTR) vor. Der Bericht behandelt die Nachfrageentwicklung im Personen- und Güterverkehr bis zum Jahr 2025.

Der WTR prognostiziert für Deutschland eine gesamtmodale Güterverkehrsleistung von 732 Milliarden Tonnenkilometer, was eine Steigerung um 23 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2008 bedeutet. Auf den Straßengüterverkehr kommen demnach 506 Milliarden Tonnenkilometer zu. Zum Vergleich: Für 2008 stehen 415 Milliarden Tonnenkilometer in der Statistik.

Vernetzt aus dem Stau

Zurück ins Jetzt. Der Verkehr stockt ständig, wozu auch sicherlich leere LKW auf den Straßen beitragen. Ein Anstieg des Straßengüterverkehrs lässt sich nur durch verbesserte Infrastruktur und neue Fahrzeugkonzepte wie den Lang-LKW kompensieren. Längst gehört diese Ansicht zum Abgenickten in Expertenkreisen. Einen anderen Konsens greift Dr. Christian Kille von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe Supply Chain Services SCS auf: „Die steigende Nachfrage macht eine stärkere Bündelung der Logistikaktivitäten notwendig.“

Für den Leiter Geschäftsfeld Markt beim Fraunhofer SCS falle daher intelligenten IT-Systeme eine größere Bedeutung zu. Ihre Aufgabe: Dynamische Tourenplanung, Laderaumauslastung, Sendungs-, Fahrer- wie Fahrzeugüberwachung besser zusammenführen. Das funktioniere nur über die Vernetzung der einzelnen Systeme einschließlich nachgelagerter Anwendungen wie Speditionssoftware.

Wegweisende Versuche?

Als ein Beispiel für das Zusammenführen komplexer Systeme nennt Kille den Berliner Modellversuch „SmartTrucks“ der Deutschen Post DHL. Hierbei kombiniert der Logistikkonzern dynamische Routenplanung über satellitengestützten Geo- und Telematikdaten mit RFID (Radiofrequenz Identifikation). Der Paketdienst läuft so schneller – und mit weniger Treibstoff.

RFID spielt auch bei „PalletFlow“ eine wichtige Rolle. Das Projekt, federführend vom Fraunhofer SCS betreut, soll den multimodalen Transport für palettierte Ware im Teil- und Komplettladungsverkehr vorantreiben. Der Kombinationsansatz: Abholung und Zustellung geschieht über kurze Regionaltouren per LKW, wohingegen der Hauptlauf über die Schiene im Shuttle-Ganzzugverkehr erfolgt. Beim Warenumschlag greift dann die RFID-Technik. Das Projekt läuft noch bis 2011 und hat das Ziel, ein Verlagerungseffekt von 15 Prozent auf die Schiene zu erreichen.

Im Straßenladungsverkehr steckt natürlich auch noch genügend Potenzial zur Effizienzsteigerung. Das zeigt das Beispiel „Begegnungsverkehr“. Den praktiziert die Ganzladungskooperation ELVIS (Europäischer Ladungs-Verbund Internationaler Speditueue), indem sie das onlinebasierte „Truck Meets Truck System“ (TMTS) einsetzt. Das Programm, entwickelt vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik IML, organisiert auf Landungsverkehrlinien den Trailer- und Frachtpapiertausch. Die Frachtführer stellen so die Ware in ihrer Heimatregion zu, was deren Produktivität erhöht und Kosten minimiert.

Konkurrenz fördert Fortschritt

Nicht das zu erwartende Verkehrsaufkommen, sondern der Wettbewerb treibt die Logistik zu mehr Effizienz. Wieder eine Aussage, auf die sich Logistikexperten verständigt haben. Und sie wirkt bereits jetzt – in der Phase der wirtschaftlichen Erholung. Auf die 2,2 Prozent Wachstum für das 2. Quartal 2010, vermeldet vom Statistischen Bundesamt, reagierten Politiker euphorisch. Im Transport- und Logistikgewerbe herrscht dagegen zurückhaltender Optimismus. Zu dem Ergebnis kommt unter anderem das Ende Juli veröffentlichte Logistikbarometer von SCI Verkehr.

Die Befragung von 200 Logistikdienstleistern durch SCI Verkehr ergab eine deutlich verbesserte Kapazitätsauslastung. Von Vorkrisenniveau könne jedoch noch nicht die Rede sein. Das trifft vor allem auch auf die Preisentwicklung zu. Die seien zwar in Bewegung, heißt es bei den Unternehmerverbänden. Aber es bleibt viel Luft nach oben. Damit erklären viele auch, das festzustellende, zögerliche Investieren der Transporteure. Gewerbevertreter und Marktkenner berichten jedoch von momentanen Laderaumengpässen im Baugeschäft und im Tiefkühlsegment. Gen ausgelasteter Kapazitäten steuere man auch im Stahlhandel und in der Metallverarbeitung. Automobilbranche und Chemie legen ebenfalls zu. Den Trend, das Gesuche die Angebote beim Laderaum übersteigen, belegen Frachtenbörsen.

Aufschwungsaussichten

Jetzt laufe die heiße Vertriebsphase, die darüber entscheide, ob der Aufschwung Bestand habe, schätzt Kille ein. Er rechnet für 2010 mit einem Plus von bis zu vier Prozent im Logistikmarkt – bei einem Bruttoinlandsprodukt-Wachstum (BIP) von gut zwei Prozent. Auf dieser Basis geht das Fraunhofer SCS von folgenden Wachstumsraten dieses Jahr aus: Ladungsverkehr vier Prozent, Massengutverkehr drei Prozent und Stückgut vier Prozent. Besondere Dynamik könnten hierbei grenzüberschreitende Transporte (Land, Luft oder See) entfalten – mit einem Anstieg von bis zu sieben Prozent. Für 2011 erwarten die Forscher ein vier- bis fünfprozentiges Wachsen des Logistikmarktes.

Intraplan Consult GmbH/Ralf Ratzenberger sagt in „Kurzfristprognose Sommer 2010“, erstellt im August für das Bundesverkehrsministerium, voraus: In diesem Jahr erhöht sich das gesamte Transportaufkommen um 6,4 und die Transportleistung um 9,7 Prozent. Der Straßengüterverkehr soll ein Wachstum von 6,1 beziehungsweise 10,5 Prozent beisteuern. Insbesondere die arg krisengebeutelten Transporte von Erzen, Eisenwaren, Stahlprodukte, chemische Erzeugnisse und Halb- und Fertigwaren erleben gerade einen Schub. Die Marktbeobachter glauben daran, dass der Straßengüterverkehr 2011 um 2,1 Prozent beim Aufkommen und um 5,1 Prozent in der Leistung wächst.

Unabhängig von all den Prognosen helfen IT-Systeme, Logistikprozesse effizienter zu machen. Ein Muss, um weiterhin am Markt bestehen zu können. Wer also als Spediteur nicht auf dem Holzweg gen Zukunft will, muss die überspitzt formulierte Vernetzungsfrage beantworten: Fährst du noch oder transportierst du schon? Und das bald. Ansonsten brettert der Wettbewerb vorbei. (kak)

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