Marine beklagt: In Deutschland fehlt maritimes Bewusstsein

28.10.2008 10:16 Uhr
Marine
Deutschlands Seewege sollen sicherer werden (Bild: Arndt)
©Foto: Arndt

Deutschland braucht sichere Seewege: Befehlshaber der Deutschen Marine betont Abhängigkeit der Wirtschaft vom freien Handel

Kiel/Glücksburg. In der deutschen Öffentlichkeit mangelt es weiterhin an einem ausreichenden Verständnis für maritime Fragestellungen. Das bemängelt einmal mehr der Befehlshaber der deutschen Flotte, Vizeadmiral Hans-Joachim Stricker. Das „maritime Bewusstsein“ endet dem Marineoffizier zufolge „oft bereits südlich von Hamburg“. Dieser Zustand müsse sich sehr schnell ändern, schließlich hänge die Wirtschaft in Deutschland in einem sehr hohen Maße von einer starken maritimen Verbundwirtschaft sowie einem ungehindert Seehandel ab, betonte Stricker am Montag in Kiel bei der Vorlage des Berichtes. Das rund 300 Seiten starke Werk, das sich nach Strickers´ Aussage inzwischen zu einem echten „Bestseller“ und Nachschlagewerk für die Wissenschaft, die maritime Wirtschaft und die Politik entwickelt habe, trägt den Titel „Jahresbericht 2008 - Fakten und Daten zur maritimen Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland“. Der Flottenchef wies darauf hin, dass 95 Prozent des Welthandels über See abgewickelt würden. Daher müsse ein Land wie Deutschland allergrößtes Interesse an „sicheren Seewegen“ haben. Stricker wörtlich: „Spätestens dann, wenn sich durch unsichere Seewege die Transportkosten erhöhen und dann vielleicht ein MP3-Player das Dreifache kostet, wird den Leute bewusst, wie abhängig wir von der See sind.“ Einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit auf See leiste die Deutschen Marine – wie auch ihre Verbündeten – bereits durch ihre Präsenz auf See. Das sei vergleichbar mit der Polizeipräsenz auf den Straßen, die dazu führt, dass Autofahrer sich genau überlegten, ob sie schneller als gesetzlich vorgeschrieben führen. Stricker hält die Deutsche Marine für befähigt, die an sie gestellten Aufgaben zu lösen. Der Admiral: „Wir stehen in einem Bündnis und denken bei allem multinational.“ Rückgrat der deutschen Flotte sind die Überwasserstreitkräfte, darunter die 15 Fregatten. An reinem Bordpersonal dienen mehr als 5200 Soldaten und Soldatinnen auf den Schiffe und Booten. Einschließlich des Landpersonals und zivilen Ergänzungspersonals sind in der kleinsten Teilstreitkraft der Bundeswehr derzeit rund 24.000 Soldaten und Soldatinnen zusammengefasst. (eha)

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