Stuttgart. Der Auto Club Europa (ACE) hat Bund, Länder und Gemeinden aufgerufen „mehr Substanzsicherung bei Straßen und Brücken zu betreiben“. Angesichts der anhaltenden Diskussionen über den Sicherheitszustand öffentlicher Gebäude und Brücken, sei dies dringend notwendig, teilte der ACE in Stuttgart mit. Außerdem forderte er eine flächendeckende bundesweite Erfassung des Zustandes von Verkehrswegen und Brücken. Auf dieser Grundlage könnten Sicherheitsdefizite beseitigt werden. Der ACE hatte bereits im vergangenen Jahr eine Studie über den „Zustand der kommunalen Straßeninfrastruktur“ vorgelegt und darin unter anderem festgestellt, dass auf einer Strecke von weit über 64.000 Kilometer das kommunale Straßennetz allein wegen bereits vorhandener Flickstellen unverzüglich saniert werden müsse. Die Kosten dafür betragen laut ACE schätzungsweise 25 Milliarden Euro. Die Große Koalition habe jetzt beschlossen, in den nächsten vier Jahren 4,3 Milliarden Euro zusätzlich in den Verkehrssektor zu investieren. Unter Berufung auf eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wies der ACE heute darauf hin, dass viele Straßen „schlampig“ gebaut worden seien. Bei der Kontrolle von Straßenplänen und -entwürfen seien große Sicherheitsmängel und gravierende Fehlplanungen festgestellt worden, zitiert der ACE aus dem Bericht. Beispielsweise seien Markierungen vergessen worden. Pflanzen auf Mittelinseln und Straßenrändern verstellten den Autofahrern die Sicht auf Fußgänger und Radfahrer. Auch seien Verkehrsschilder an der falschen Stelle platziert worden. Ferner sei vergessen worden, Schutzgitter anzubringen. Als Grund für die teilweise gefährlichen Fehlplanungen nennt die BASt-Untersuchung nach Angaben des ACE die Missachtung oder Unkenntnis der geltenden Bauvorschriften. (dpa/sb)
Mangelnde Substanzsicherung: Deutschlands marodes Straßennetz
Auto Club Europa (ACE) kritisiert Sicherheitsmängel und gravierende Fehlplanungen bei Straßen und Brücken