inside: Herr Pesta, die Nachfrage nach Lego-Produkten ist trotzt Wirtschaftskrise bisher konstant. Ihre Logistikdienstleister hingegen spüren einen starken Nachfrageeinbruch. Eine gute Chance, als Verlader die Frachtraten zu drücken? Pesta: Unsere zentrale Transportplanung nutzt die aktuelle Marktlage der Logistikdienstleister nicht aufs Letzte aus, da wir die Qualität in der Logistik nicht gefährden wollen. Man muss hier aufpassen, als Verlader nicht ans äußerste Limit zu gehen. LOGISTIK inside: Sie arbeiten in Zentraleuropa beim LKW-Transport mit DHL, Schenker, Dachser und Hellmann zusammen. Warum mit diesen Dienstleistern? Pesta: Status ist, dass wir pro geografische Region einen Dienstleister beauftragen. Wir überlegen jedoch, zukünftig eventuell jeweils einen Dienstleister je Transportart zu beauftragen. Das heißt, wir beauftragen jeweils den für uns besten für Pakete, Paletten und Direktverkehre. Außerdem ist es immer gut, mit mehreren Dienstleistern zusammenarbeiten. Das verbessert manchmal die Verhandlungsposition. LOGISTIK inside: Sie haben die Bewirtschaftung des neuen Lego-Zentrallagers im tschechischen Jirny bei Prag mit DHL erstmals an einen Logistikdienstleister übergegeben. Warum? Pesta: Ich sehe vor allem zwei Vorteile. Der Lego-Grundsatz „Nur das Beste ist gut genug“ kann in der Lagerbewirtschaftung am besten mit einem Partner verwirklicht werden, dessen Kernkompetenz in der Logistik liegt. Der zweite Vorteil ist, dass Logistikleistungen auf einmal etwas kosten. Gerade bei Gesprächen mit internen Abteilungen können wir viel deutlicher machen, dass zusätzliche Leistungen ihren Preis haben. Das war für einige Abteilungen ein gewisser Kulturschock. Das Lager fremdzuvergeben war insgesamt ein guter Schritt. LOGISTIK inside: Große Handelshäuser holen die Waren gerne selber aus dem Lager des Herstellers ab. Geht das bei Ihnen auch? Pesta: Diese Anfragen gibt und gab es bei uns auch. Unsere Erfahrungen haben gezeigt – obwohl wir jede Anfrage genau prüfen – dass die Kosten in der gesamten Logistik-Kette gestiegen wären, weshalb es derzeit keine derartige Vereinbarung gibt. Sicherlich ist es hilfreich, dass die Marke Lego einen so starken Namen hat und wir klarer Marktführer im Spielwarenbereich in Zentraleuropa sind. LOGISTIK inside: Und die Anforderungen einiger Händler, die Waren mit RFID-Funketiketten auszuzeichnen… Pesta: …macht aus unserer Sicht keinen Sinn. Wir haben dadurch keinen Vorteil. Bisher konnten wir auch solche Wünsche ablehnen. LOGISTIK inside: Im Zuge der Nachhaltigkeitsdiskussion wird auch wieder über die gemeinsame Nutzung von Transportkapazitäten und Lägern gesprochen. Können Sie sich vorstellen, mit anderen Herstellern Logistikkapazitäten gemeinsam zu nutzen? Pesta: Wir haben intern mal angedacht, Transporte mit Wettbewerbern zu bündeln. Das ist aber sehr schwierig zu managen. Es ist heute schon nicht einfach, innerhalb der Lego-Vertriebsregionen gerechte Entscheidungen zu treffen. Also wer bekommt den Vorzug bei begrenzten Kapazitäten. Wenn wir dass mit einem externen Partner bzw. Mitbewerber noch klären müssten, würde es noch komplizierter werden. Wir würden deshalb keine Partnerschaft eingehen, bei der wir nicht die Führung hätten. LOGISTIK inside: Welches praktische Problem sollten Händler, Hersteller und Logistikdienstleister dringend gemeinsam angehen? Pesta: Unterschiedliche Palettenhöhen sind sicherlich ein Problem. Hier ist eine weitere Standardisierung dringend nötig, um die Lastwagen besser auslasten zu können. Logistikdienstleister und Verlader müssen dringend noch bessere Lösungen finden. Das spart Kosten und schützt die Umwelt. Das Interview führte Andre Kranke
Lego-Logistikleiter Pesta: „Jeweils ein Dienstleister je Transportart“
Interview mit Wolfgang Pesta, Senior Director Operations Zentraleuropa beim Spielwarenhersteller Lego