Jeder vierte europäische Tunnel hat Sicherheitsmängel

27.04.2006 14:11 Uhr

ADAC-Tunneltest 2006: 13 von 52 Tunneln haben die Mindestanforderungen an Brandschutz, Lüftung sowie Flucht- und Rettungswege nicht erfüllt

München. Auch sieben Jahre nach der Brandkatastrophe im Montblanc-Tunnel mit 39 Toten weisen viele wichtige Straßentunnel in Europa immer noch gravierende Sicherheitsmängel auf. Beim ADAC-Tunneltest 2006 fiel jede vierte unterirdische Röhre glatt durch. 52 Tunnel in 14 europäischen Ländern wurden geprüft, 13 erfüllten nicht die Mindestanforderungen an Brandschutz, Lüftung sowie Flucht- und Rettungswege. Von den acht untersuchten Tunneln in Deutschland schnitten vier mit "sehr gut" ab. Der Tunnel Universität Düsseldorf auf der A 46 fiel mit der Gesamtbewertung "bedenklich" jedoch durch, wie der ADAC am Donnerstag in München mitteilte. Mit "sehr gut" wurde der 1,6 Kilometer lange Kappelberg-Tunnel bei Stuttgart bewertet, der vor vier Jahren noch als "bedenklich" eingestuft und und inzwischen saniert wurde. Ebenso mit "sehr gut" bewertet wurden der 1,1 Kilometer lange Tunnel Hochwald auf der A 71 in Thüringen, der in diesem Jahr eröffnete Aubinger Tunnel an der Münchner Autobahn-Umfahrung A 99 (1,9 Kilometer) sowie der Tunnel Coschütz an der A 17 bei Dresden (2,3 Kilometer). Testsieger wurde der 2005 eröffnete Tunnel M-12 in Spanien auf dem gleichnamigen Autobahnzubringer zum Madrider Flughafen Barajas. Er sei laut ADAC mit allem ausgestattet, was einen modernen Tunnel ausmache - von Ampeln und Schranken vor den Portalen bis hin zu zusätzlichen Rettungswegen, Videoüberwachung und effektivem Brandschutz. Insgesamt vergaben die Tester 22 Mal die Note "sehr gut", neun Mal "gut" und acht Mal "ausreichend". Von den durchgefallenen Kandidaten wurden fünf als "bedenklich" und sogar acht als "mangelhaft" eingestuft. Das mit Abstand schlechteste Ergebnis aller ADAC-Tunneltests seit 1999 erreichte bei der aktuellen Untersuchung der 1,7 Kilometer lange Segesta-Tunnel auf der A 29 Palermo-Trapani auf Sizilien. In den zwei Röhren dort fanden die Tester außer einer einzigen Querverbindung als Fluchtweg in der Mitte nichts, was Menschenleben retten könnte. Der ADAC setzt nach den Worten seines Präsidenten Peter Meyer große Hoffnungen in die EU-Richtlinie für die Sicherheit von Straßentunneln, die alle EU-Länder bis zum 1. Mai dieses Jahres in nationales Recht umsetzen müssen. Neue Tunnel unterliegen dann strengeren Vorschriften, bestehende Anlagen müssen bis 2014 nachgerüstet werden. (dpa/stb)

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