VerkehrsRundschau: Sie sind Leiter E-Commerce und Logistik in dem Münchener Handelshaus Sport Bittl. Ihre Kunden können sich dank ihres Online-Shops entweder ihre Skier direkt auf Ihrer Plattform bestellen oder in einer Ihrer Filialen kaufen. Mal direkt gefragt: Ist der E-Commerce tatsächlich der große Umsatzbringer, wie viele Händler glauben, die jetzt auf den Zug aufspringen?
Markus Kasperbauer: Ich kann da nur für unser Unternehmen sprechen. Die Umsätze, die wir über unseren Onlineshop generiert haben, sind im vergangenen Jahr nur gering gestiegen und der Winter 2014/15 war auf Vorjahresniveau. Wir spüren also schon, dass es immer mehr Plattformen gibt, mit denen wir in Deutschland konkurrieren. Deshalb werden wir im E-Commerce verstärkt internationalisieren, sprich wir werden unsere Produkte verstärkt im Ausland an interessierte Privatkunden vertreiben. Wir fokussieren uns hier aber auf eine kleine Nische, also auf Wintersportartikel und -ausrüstung. Outdoor- und Sporttextilien werden wir im Onlineshop hingegen weniger anbieten. Da gibt es zu viel Konkurrenz.
Würden Sie so weit gehen, dass es im E-Commerce inzwischen einen Kampf um Marktanteile zwischen Händler-Shops, Pure Playern und Herstellern gibt?
Auf jeden Fall. Deshalb positioniert sich Sport Bittl ganz klar nicht im Textilsegment. Da spüren wir zu viel Gegenwind von den Pure Playern, aber auch den Marken-Shops der großen Produzenten. Zumal einige Hersteller Vorgaben machen, welche Produkte Händler online vertreiben dürfen. Unsere Stärke sehen wir also ganz klar in der Nische der eingangs genannten Produkte.
Welches Wachstum peilen Sie im E-Commerce konkret an?
Unser Gesamtumsatz liegt etwas über 40 Millionen Euro. Davon erwirtschaften unsere Online-Aktivitäten rund 10 Prozent und das stationäre Geschäft rund 90 Prozent. In drei bis fünf Jahren aber wollen wir unseren Online-Umsatz verdoppelt haben. Das ist das klare Ziel. Der nächste große Schritt dafür wird unser neuer englisch-sprachiger Online-Auftritt sein, mit dem wir vermehrt auch international unsere Produkte an Privatkunden vertreiben.
Wer sind da Ihre Logistikdienstleister?
Es gibt nur sehr wenige Dienstleister, die für uns im Ausland die Privatkundenzustellung übernehmen können, da unsere Produkte wie Skier sehr sperrig und lang sind. Wir arbeiten daher national und international ausschließlich mit UPS.
Welche Kriterien gaben bei der Auswahl Ihres Logistikdienstleisters den Ausschlag?
UPS hat uns den Zustellservice zum günstigsten Preis mit einem gewissen Sperrigkeitszuschlag angeboten – selbst für entlegenere Regionen. Dazu kommt, dass UPS weltweit vertreten ist. Letztlich gab aber der Preis den Ausschlag. Das liegt daran, dass Endkunden selbst beim Kauf von Skiern sehr preissensibel sind und wir uns dank niedrigerer Versandkosten etwas vom Wettbewerb abheben können.
Wo sehen Sie generell bei Logistikdienstleistern den größten Nachbesserungsbedarf?
Bei ihrer Preisgestaltung. Da gibt es Sperrigkeitszuschläge, Zusatzgebühren für Retouren und/oder die Zustellung in entlegenere Regionen. Für jedes Land ist der Preis anders. Das ist für Händler, die im Ausland wachsen wollen, zu komplex. Da sollten die Dienstleister dringend nachbessern. Stattdessen arbeiten viele an schnellen Zustellservices. Das ist für unsere Auslandskunden weniger wichtig und daher auch für uns nicht das relevante Auswahlkriterium.
Das Interview führte VerkehrsRundschau-Redakteurin Eva Hassa.
Worum es geht: Für den Münchner Sporthändler Bittl ist E-Commerce kein Neuland. Schon vor rund zehn Jahren begann das Unternehmen damit, Waren über das Internet zu verkaufen. Mittlerweile erwirtschaftet der digitale Verkaufskanal des Unternehmens 10 Prozent des Gesamtumsatzes, in drei bis fünf Jahren sollen es 20 Prozent werden. Doch da müssen auch die Logistikdienstleister mitziehen. (eh)