Hamburg. Die Weltwirtschaftskrise hat auch Deutschlands größte Privatreederei, die Hamburg Süd-Gruppe, nicht verschont. Das räumte Ottmar Gast, Sprecher der Geschäftsführung, am Montag in Hamburg bei der Präsentation des Jahresergebnisses ein. War 2008 für die Gruppe unterm Strich „noch zufriedenstellend“, schraubte Gast die Erwartungen für das laufende Jahr deutlich zurück. Einschätzungen, die über das Jahr 2009 hinausgehen, seien derzeit überhaupt nicht möglich. Mit seiner Flotte, die sowohl die Containerlinienschifffahrt als auch die Massengutschifffahrt abdeckt, fuhr das zum Bielefelder Oetker-Konzern gehörende Traditionsunternehmen im Berichtsjahr einen Umsatz von gut 4,5 Milliarden Euro ein, gut 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Neben einem organischen Wachstum profitierte die Reederei-Gruppe auch vom Kauf der italienischen Reederei Costa Container Lines (CCL), deren Name seit Beginn 2009 nicht mehr existiert. Durch die Übernahme des Unternehmens habe Hamburg Süd die eigene Marktposition im Mittelmeerraum nachhaltig verstärkt. Neun Mainline und Feederdienst seien mit dem Kauf erworben worden. Die Transportmenge beträgt gut 350.000 Standardcontainer (TEU). Das Containertransportaufkommen erreichte 2008 mit 2,7 Millionen TEU einen neuen Spitzenwert. Das Ergebnis liegt um gut 25 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gast: „In den zurückliegenden zehn Jahren betrug unser durchschnittliches jährliches Mengenwachstum auf TEU-Basis gut 21 Prozent.“ Die Investitionskraft der Reederei zeigte sich auch 2008. Gut 530 Millionen Euro flossen im Berichtsjahr in den Flottenausbau sowie die Stärkung des eigenen Containerbestandes. Als Spezialist für temperaturgeführte Transporte lag der Investitionsschwerpunkt bei Container in der Beschaffung von weiteren Reefer-Boxen. Aktuell hat die Reederei noch 15 weitere Schiffe bei Werften bestellt. Diese werden auf jeden Fall auch abgenommen. Auftragsstornierungen seien nicht geplant. Für 2009 kündigte Gast einen scharfen Sparkurs an. Denn die Auslastung der in der Linienschifffahrt eingesetzten Frachter verharre auf einem niedrigen Niveau. Sie liegt aktuell bei durchschnittlich 61 Prozent. Laut Gast sollen 2009 „zwischen 250 bis 300 Millionen Euro“ eingespart werden sollen. Die Bandbreite der Maßnahmen ist groß. Ein konkreter Ansatz sei dabei zum Beispiel die Senkung der hafenbezogenen Kosten. So erwartet die Reederei von den Terminal-Betreibern Preiszugeständnisse in der Größenordnung von zehn Prozent, und zwar ohne Rücksicht auf den bedienten Hafen. „Auch in Hamburg wollen wir diese Senkung erreichen“, betonte Gast. Ein Entgegenkommen erwartet die Reederei auch bei den staatlicherseits beeinflussten Gebühren und Entgelten, wie zum Beispiel beim Hafengeld oder bei den Lotsenabgaben. Das allerdings werde nicht so einfach zu verwirklichen sein. Auch bei den Mitarbeitern will die Reederei Einsparungen durchsetzen. So werden am Standort Hamburg, wo rund 700 Beschäftigte tätig sind, mit dem Betriebsrat verschiedene Überlegungen besprochen. Kurzarbeit ist dabei auch ein Thema. Hingegen will sich die Reederei mit dem Thema Personalabbau so lange wie möglich zurückhalten. „In zwei Jahren benötigen wir dann diese Mitarbeiter wieder. Das kann es also nicht sein“, betonte Gast. Bei den Schiffsbetriebskosten sollen wesentliche Einsparungen über günstigere Charterverträge – nach dem Auslaufen alter Verträge – sowie über das zeitlich befristete Ausdünnen von Liniendiensten erzielt werden. Der deutliche Rückgang der Charterkosten auch bei Containerschiffen weltweit werde das Erreichen dieses Ziels erleichtern, so Joachim Konrad, stellvertretender Sprecher der Geschäftsführung. „Wir stellen derzeit jeden einzelnen Linienverkehr auf den Prüfstand.“ (eha)
Hamburg Süd: Mit Einsparungen die Krise abwettern
Alles kommt auf den Prüfstand/ Auch Kurzarbeit könnte ein Thema werden