Hamburg. Nach einem alternativen System für die Stromversorgung von Schiffen, die im Hamburger Hafen festmachen, wird im größten deutschen Universalhafen gesucht. Einen entsprechenden Medienbericht bestätigte die Sprecherin der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU, vergleichbar einem Ministerium, d.Red.), Kerstin Feddersen, gegenüber der VerkehrsRundschau. „Wir stehen allerdings erst am Anfang des Projektes", präzisierte Frau Feddersen. Im Kern des Zukunftsvorhabens geht es darum zu prüfen, welche technischen Voraussetzungen erforderlich sind, um die bislang im Wesentlichen mit bordeigenen Hilfsmaschinen erzeugten Strommengen durch eine landseitige Stromversorgung zu ersetzen. Denn: Die mit der Stromerzeugung freigesetzten Abgase- vor allem das Schwefeldioxid - tragen inzwischen zu einem ganz entscheidenden Teil zur lokalen Emissionsbelastung bei. Feddersen wies darauf hin, dass die EU ebenfalls mit dem Thema intensiv befasst sei. „Wir wollen bei diesem Diskussionsprozess mitreden können. Doch dafür müssen wir über entsprechende Fakten verfügen", stellte die Sprecherin klar. Mit ersten Ergebnissen rechnet sie „in etwa zwei Jahren". Beim Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg begrüßt man grundsätzlich, dass sich Experten mit der Schiffsemssionsthematik befassen. „Was wir allerdings verlangen, ist ein klarer internationaler Ansatz, das heißt auf der Ebene der IMO (International Maritime Organization, d.Red.)", erklärte VDR-Sprecher Max Johns der VerkehrsRundschau. Es dürfe auf keinen Fall „Insellösungen" geben. Tatsache sei, dass das Thema nicht mit einem Fingerschnippen abgearbeitet sei. Vielmehr müssten - zumal beim Modell einer zentralen Landversorgung - eine Vielzahl von technischen Detailfragen gelöst werden. Dazu gehöre auch die Frage, woher die gewaltigen Energiemengen denn kommen sollen. Johns verwies auf die modernen Großcontainerschiffe, deren Bordversorgungssysteme - unter anderem aufgrund der mittlerweile Tausenden von Kühlcontaineranschlüssen an Bord - heutzutage die Strommenge einer Kleinstadt erzeugen. Schon jetzt müsse die Frage gestellt werden, ob es nicht sinnvoller sei, die Schiffsabgase „im System Schiff selbst zu reinigen", so Johns weiter. Auch bei der Klassifizierungsgesellschaft Germanischer Lloyd (GL) in Hamburg beschäftigt man sich intensiv mit dem Thema „Reduzierung von Schadstoffemissionen der Schiffe während der Hafenliegezeit". GL-Vorstand Dr. Hermann Klein beurteilt eine bordeigene Abgasreinigung gegenwärtig als „extrem aufwendig und teuer, um die Staub- und Rußpartikel, Stickoxide und Schwefeldioxide abzufangen". Daher richte sich der Blick auch auf landseitige Möglichkeiten. (eha)
Hafen Hamburg: Schiffsstrom soll alternativ erzeugt werden
Keine ‚Dieselstinker’ im Hafenbecken: Hamburger Umweltbehörde plant landseitige Stromversorgung