Brake. Der niedersächsische Unterweser-Hafen Brake stärkt seine Stellung als bedeutender Umschlagplatz für Stückgüter und Projektladungs-Partien. Am späten Montagnachmittag gab Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) im Beisein von gut 400 Gästen das offizielle Startzeichen für die Inbetriebnahme des ersten Abschnitts der sogenannten „Norderweiterung“ in Brake. Rund 37,5 Millionen Euro hatte das Land Niedersachsen in den Bau der neuen Anlage investiert, mit dessen Bau am 21.September 2007 begonnen wurde. Mit dem neuen Terminalkomplex, der in den kommenden Monaten um einen zweiten Bauabschnitt ergänzt wird, verbesserten sich die „Startchancen für die Zeit nach der Krise“, sagte Wulff unter anderem. Rund 2,5 Millionen Euro investierte alleine die niedersächsische Hafenverwaltung N-Ports in die erforderlichen Sandaufspülungen. Dabei konnten die Niedersachsen einiges an Geld sparen. Denn der Sand stammte zu einem Großteil aus dem weiter flussabwärts gelegenen Bremerhaven. Im Zuge des Baus des Containerterminals CT IV musste das Land Bremen auch eine Wendestelle für Containerschiffe in das Flussbett hineingraben. Dieser Sand wurde dann in das nur wenige Kilometer entfernte Brake verbaut. Die beiden Nachbarbundesländer pflegen seit vielen Jahren eine intensive Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Hafenentwicklung. Beispielhaft dafür ist auch das Engagement im künftigen deutschen Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven. Der neue Kaiabschnitt ist 270 Meter lang und soll auf insgesamt 450 Meter ausgebaut werden. Den Planfeststellungsbeschluss erwartet N-Ports in den kommenden Tagen. Daran soll sich unmittelbar der Baubeginn anschließen, so dass die Maßnahme Ende 2010 abgeschlossen werden kann. Diesen Teil des Niedersachsenkais will der Stahlproduzent Salzgitter für den Umschlag von Stahlerzeugnissen in Zukunft nutzen. Er stellte dem Land einen Kredit zur Verfügung, mit dessen Hilfe die zusätzliche Kaifront entstehen kann. Die Baukosten sind auf 17,5 Millionen Euro veranschlagt. Mit den künftig erreichten 450 Metern Gesamtlänge ist es möglich, zwei Großfrachter gleichzeitig an dem Terminal abzufertigen. Der Tiefgang entlang der neuen Kaifront beträgt für die Schiffe 11,90 Meter. Mit dem Abschluss der Unterweser-Vertiefung wären das dann sogar bis zu 12,80 Meter. Der neue Niedersachsenkai zeichnet sich durch großzügige Aufstell- und Vorstauflächen aus. Rund 30 Hektar sind dafür vorgesehen. Auf dem Areal verlaufen gut sieben Kilometer Gleisstrang, da Brake traditionell auf den Verkehrsträger Bahn im Seehafen-Hinterlandverkehr setzt. Auch die Straßenanbindung wurde weiter ausgebaut. Für den Umschlag von schweren Lasten steht ein Hafenmobilkran mit einer Leistung von bis zu 140 Tonnen zur Verfügung. Die Inbetriebnahme der neuen Anlage fällt in eine Zeit, da auch der Hafen Brake massiv unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise leidet. Der Güterumschlag brach im ersten Halbjahr um gut ein Drittel auf 2,1 Millionen Tonnen ein. Aktuell besteht Kurzarbeit für rund 200 Hafenarbeiter, die voraussichtlich noch bis Ende des Jahres währen wird. Vor allem die Einbrüche im Forstprodukten-Geschäft mit den USA schlagen voll zu Buche. Heftige Kritik am neuen Hafenteil sowie dem geplanten Ausbau kommt indes vom Braker „Förderkreis Waterkant“. Er wirft den Projektbeteiligten „eine maßlose Verschwendung von Steuergeldern vor“, da der Hafenumschlag in Brake „seit Jahren stagniert“. (eha)
Hafen Brake fit für den nächsten Aufschwung
Eröffnung des Niedersachsenkais: In zwei Jahren Bauzeit entstand ein moderner Abfertigungskomplex für Stückgüter und Projektladung