Wiehl. Bei den kommenden Preisverhandlungen mit den Verladern müssen Deutschlands LKW-Speditionen eine Preiserhöhung von fünf bis zehn Prozent durchsetzen. Diese Meinung vertrat Hubertus Kobernuss, Inhaber der gleichnamigen Spedition Kobernuss auf dem 10. Wiehler Forum, zu dem der Achsenhersteller BPW am Donnerstag geladen hatte.
Setze das Transportgewerbe diese Preiserhöhungen nicht durch, dann komme es in den kommenden 12 bis 16 Monaten zu starken Kapazitätsengpässen, warnte Kobernuss in der Podiumsdiskussion vor rund 150 BPW-Kunden aus dem Speditionsgewerbe. Kobernuss begründet die aus seiner Sicht notwendige Preiserhöhung mit den steigen Kosten fürs Fahrpersonal: „Um die qualifizierten Mitarbeiter halten zu können, werde ich Lohnerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich durchführen müssen“; sagte Kobernuss. „Sonst blute ich aus.“ Deshalb geht auch Kobernuss selbst mit Forderungen von fünf bis zehn Prozent in die Preisverhandlungen mit seinen Auftraggebern. „Wo ich nachher lande, wird sich zeigen“, so der für seine klaren Worte bekannte Unternehmer.
Um die geringen Margen vieler Transportunternehmen zu verbessern, schlug Professor Stefan Iskan von der Fachhochschule Ludwigshafen in Wiehl vor, ein Beiladungsnetzwerk für Subunternehmer zu gründen. So könnten regional tätige LKW-Spediteure mit bis zu 20 Mitarbeitern ihre Auslastungen erhöhen und Relationen bedienen, die sie sonst nicht anbieten könnten.
Kobernuss verwies darauf, dass die Stärke der deutschen Speditionsunternehmer darin liege, dass sie das Vertrauen vieler mittelständischer Auftraggeber genießen, zuverlässig die logistischen Aufgaben zu erfüllen. Dies sei ein großer Vorteil gegenüber vielen ausländischen Anbietern. Dem schloss sich auch Hermes-Transport-CEO Frank Rausch an, der für mehr Loyalität zwischen Verladern und Logistikdienstleistern warb und berichtete, dass Hermes den Großteil seiner Ladungsverkehre mit nur noch vier mittelständischen Partnern abwickle. „Mit diesen Unternehmen verzahnen wir uns immer mehr“, um unsere eigenen Qualitätsvorgaben immer besser erfüllen zu können, so Rausch. Professor Christian Kille von der Hochschule Würzburg erklärte in Wiehl, dass er im kommenden Jahr für den gesamten Logistikmarkt ein Wachstum von zwei bis drei Prozent erwarte. Für das laufende Jahr geht er derzeit von einem Wachstum von rund einem Prozent aus. (ak)