Experte: Mautflüchtlinge nicht nachgewiesen

18.10.2006 14:12 Uhr

Fahrverbote für mautpflichtige Lastwagen auf drei weiteren hessischen Bundesstraßen aus Gründen des Umweltschutzes und der Lärmbelästigung

Gießen. Die Fahrverbote für mautpflichtige Lastwagen auf drei weiteren hessischen Bundesstraßen richten sich nach Ansicht des Verkehrswissenschaftlers Gerd Aberle in erster Linie nicht gegen Mautflüchtlinge. „Die Gründe sind ganz andere, etwa Gründe des Umweltschutzes und die Reduzierung der Lärmbelästigung“, sagte Aberle in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Gießen. Es gebe keine belastbaren Daten, die bewiesen, dass der Verkehr auf den betroffenen Strecken nach Einführung der Maut zugenommen habe. Das sei auch der Landesregierung bekannt, sagte Aberle. Der hessische Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) hatte am Mittwoch drei Strecken in Nord- und Mittelhessen mit insgesamt 236 Kilometern Länge für Transitlastwagen gesperrt. Betroffen ist die Bundesstraße 3 zwischen Borken und der Kreuzung mit der B 62 bei Cölbe auf einer Länge von 46 Kilometern, die B 252 von der selben Kreuzung bis zum Autobahnanschluss Diemelstadt (90 Kilometer) und die B 254 zwischen Felsberg und Fulda-Süd (100 Kilometer). Bislang gab es in Hessen Fahrverbote für Lastwagen mit einem Gewicht von mindestens zwölf Tonnen auf 114 Kilometern auf der B 27 (Fulda-Göttingen) und der B 7 (Kassel-Eisenach). Die Sperrung der drei Strecken sei ein erheblicher Eingriff in die Verkehrsabläufe, sagte Aberle. Für die Menschen, die entlang der drei Bundesstraßen lebten, bedeuteten die Fahrverbote zwar eine Entlastung von einer „unerträglichen Lärmbelästigung“ und Abgasen, aber die Leid tragenden seien die Speditionen, auf die zusätzliche Kosten zukämen. „Die Strecken waren vor den Fahrverboten einfach die kürzeren Wege, für Speditionen ist der Zeitfaktor entscheidend, deswegen haben sie sie oft als Routen gewählt - das hat mit Maut nichts zu tun“, sagte Aberle. Dass die drei Strecken schon vor der Mauteinführung sehr stark belastet gewesen seien, zeigten ein vor einigen Jahren eingeführtes Nachtfahrverbot für die B 252 und ein Überholverbot für die B 3. Mit der Sperrung der B 3 werde die Autobahn 49 (Kassel-Neuental) künftig nur sehr schwierig zu erreichen sein. Es sei in der Vergangenheit versäumt worden, Ortsumgehungsstraßen für den Durchgangsverkehr zu bauen, auch wenn es bereits Planungen gegeben habe, kritisierte Aberle. Besonders im Großraum Marburg fehlten viele Umgehungen. Um die unter dem Lärm leidenden Anwohner zu entlasten, würden Speditionen nun zu „Umwegfahrten“ gezwungen, für die sie mehr Zeit und damit auch mehr Geld aufwenden müssten. Eine wirkliche Lösung des Problems sei mit der Sperrung der drei Strecken nicht erreicht. (dpa)

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