Europas Güterbahnen drohen Sonderprüfungen für Achsen

17.07.2009 14:45 Uhr
Zugunfall viareggio
Brennende Flüssiggas-Waggon am 29. Juni in Viareggio
© Foto: EPA

Nach dem Bahnunglück im italienischen Urlaubsort Viareggio mit 24 Toten drohen der Deutschen Bahn und anderen europäischen Eisenbahnen Sonderprüfungen für die Achsen ihrer Güterwagen

Bonn/Berlin. Nach dem Bahnunglück im italienischen Urlaubsort Viareggio mit 24 Toten drohen der Deutschen Bahn und anderen europäischen Eisenbahnen Sonderprüfungen für die Achsen ihrer Güterwagen. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) in Bonn will sämtliche Achsen der Güterwagen von den Betreibern auf Risse untersuchen lassen, wie die Behörde am heutigen Freitag in Bonn mitteilte. Die Fristen dafür sind noch offen. Auf deutschen Schienen sind normalerweise mehr als 120.000 Güterwagen im Einsatz. Wegen der Wirtschaftskrise wird derzeit aber etwa ein Drittel nicht genutzt. In Viareggio war am 29. Juni ein Flüssiggas-Waggon wegen einer gebrochenen Achse entgleist und explodiert. Die Sicherheitsuntersuchungen der Güterwagen sollen europaweit koordiniert werden. Die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) habe für Ende des Monats zu einer außerordentlichen Sitzung eingeladen, auf der es um Prüffristen und den Prüfumfang für Achsen von Güterwaggons gehen werde, teilte das EBA mit. Anfang September plane die Europäische Kommission eine Sicherheitskonferenz. Angesichts der in ganz Europa eingesetzten Güterwagenflotte könne nur durch ein europäisch koordiniertes Vorgehen die Sicherheit gewährleistet werden. Das EBA hatte die Eisenbahnverkehrsunternehmen und Halter von Eisenbahnfahrzeugen aufgefordert, in einem Anhörungsverfahren bis Freitag darzustellen, wie sie die Instandhaltung von Radsatzwellen bei Güterwagen gewährleisten. Wie im norditalienischen Viareggio habe es schon mehrere gefährliche Ereignisse gegeben, die auf Brüche von Achsen zurückzuführen seien. Das lasse vermuten, dass Güterwaggons nicht ausreichend gewartet würden. Mit Hilfe der vorgelegten Daten soll nun festgelegt werden, welche Maßnahmen notwendig sind, um einen sicheren Eisenbahnbetrieb weiterhin zu gewährleisten. Erst in Nacht zum Freitag entgleiste auf der Strecken Osnabrück- Herford ein Zug mit 22 Kesselwagen, die mit Heizöl gefüllt waren. Die Achse eines Waggons sei aus den Gleisen gesprungen, teilte die Bundespolizei mit. Die Waggons seien nicht umgestürzt. Die Deutsche Bahn als größte Güterbahn Europas hat ihre Stellungnahme zu den Achsenproblemen an das EBA nach eigenen Angaben fristgerecht eingereicht. Die Inhalte wolle man aber erst im Anhörungsverfahren mit der Behörde diskutieren, sagte eine Bahnsprecherin in Berlin. Danach werde sich zeigen, welche Maßnahmen nötig seien. Schon jetzt folge die Bahn einer amtlichen Empfehlung, die Achsen bestimmter Waggons nicht stärker als mit 20 Tonnen zu belasten, sagte sie. (dpa/ak)

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