Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht trotz der Kritik von Konjunkturexperten an der Wirtschaftspolitik keinen Anlass für eine Kursänderung. „Wir sollten alle weitermachen auf dem Weg in Europa“, sagte Merkel. Dazu gehörten sowohl solides Wirtschaften und eine Haushaltskonsolidierung als auch Wachstumsimpulse. Zuvor war bekanntgeworden, dass der Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts deutlich um 1,5 auf 103,2 Punkte gefallen ist. Einen niedrigeren Stand registrierte das Institut zuletzt im Dezember 2012. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage weniger gut und auch der Ausblick auf die kommenden sechs Monate habe sich weiter eingetrübt, erklärte das Ifo.
Der Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet nach einer Umfrage bei 27.000 Mitgliedsfirmen im kommenden Jahr nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent - in etwa halb so viel wie bisher. Der Verband ist damit weit pessimistischer als die Bundesregierung, die von 1,3 Prozent ausgeht. Deutlich verschlechterte sich demnach das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe; die aktuelle Einschätzung der Lage liegt laut Ifo aber immer noch knapp über dem langfristigen Durchschnitt. Im Bauhauptgewerbe sank der Index hingegen nur minimal und bleibt demnach auf „sehr gutem Niveau.“ Die Einzelhändler waren zwar weniger zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage, ihre Erwartungen aber hellten sich leicht auf. Im Großhandel stieg der Geschäftsklimaindex sogar - die Beurteilung der aktuellen Lage verbesserte sich. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben machte für die Konjunkturschwäche nicht nur Krisen wie in der Ukraine oder die Flaute in der Euro-Zone verantwortlich, sondern sieht auch in der Politik der Bundesregierung einen Stimmungskiller. „Die heimische Wirtschaftspolitik verunsichert die Unternehmen zunehmend - vor allem den Mittelstand.“ Besonders die Beschlüsse zur Rente mit 63 Jahren und die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns belasteten. Um der wachsenden Verunsicherung zu begegnen, sollte die Regierung ein Signal mit steuerlichen Erleichterungen setzen, forderte Wansleben. (jök)