Berlin. Angesichts von Globalisierung und Wirtschaftskrise wollen die meisten Deutschen mehr staatlichen Schutz vor ungezügeltem Unternehmertum. 54 Prozent der Bundesbürger forderten vom Staat mehr Einflussnahme auf die Wirtschaft, berichtete das Sozialforschungsinstitut Forsa in einer repräsentativen Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums. Dabei solle „der Staat strengere Regeln aufstellen und deren Einhaltung kontrollieren“, heißt es in der Forsa-Studie „Meinungen der Bundesbürger zur Globalisierung“. Außerdem sollte die Politik „darauf achten, dass Gewinne und Risiken gerechter verteilt werden“. Drei Viertel befürworteten eine Verstaatlichung wichtiger Banken und Unternehmen, „wenn sich dies für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft als notwendig erweist“, berichtete Forsa nach Befragung von 1005 Bürgern. 57 Prozent wollten, dass der Staat wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen finanziell unterstützt. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte der Deutschen Presseagentur dazu: Deutschland habe mit seinem schnellen Eingreifen in der Krise gezeigt, dass es möglich sei, Marktwirtschaft mit einem sozialen Ausgleich zu verbinden. Im Rahmen des an diesem Dienstag in Leipzig beginnenden viertägigen Weltverkehrsforums müsse erkannt werden, „dass heute kein Land der Welt mehr allein die Probleme lösen kann“. Internationale Standards müssten eingehalten werden. Zwei Drittel der Bundesbürger glaubt, dass Deutschland insgesamt von der Globalisierung profitiert. Zugleich sei eine große Mehrheit der Deutschen aber auch der Meinung, dass diese internationale Verflechtung zu einer weiteren Vertiefung der Kluft zwischen Arm und Reich führt. Vor allem in Entwicklungsländern sei mit Kinderarbeit und Niedriglöhnen zu rechnen. Zwei Drittel sehen der Umfrage zufolge durch die Globalisierung auch in Deutschland Arbeitsplätze gefährdet. Jedoch erwartet nur ein Fünftel das auch für den eigenen Job. Ähnliches gilt für die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise: Mehr als 80 Prozent gehen davon aus, dass sie sich auf Deutschland insgesamt stark oder sehr stark auswirken wird - für die eigene Lebenssituation erwarte dies aber nur ein Drittel. Wegen der Krise achte die Hälfte stärker auf Preise und Sonderangebote. Ein Drittel gebe an, auf Urlaubsreisen zu verzichten oder weniger dafür auszugeben sowie den Möbel- und Autokauf zu verschieben. 37 Prozent haben dagegen nach eigenen Angaben ihren Lebensstil nicht verändert. Durchweg positiv ist die Bewertung der beiden Konjunkturpakete zur Bewältigung der Krise. Hohe Zustimmungen zwischen 95 und 75 Prozent der Befragten gibt es für folgende Fördermaßnahmen: Investitionen in Schulen, Kitas und Hochschulen, die städtische Infrastruktur, neue umweltfreundliche Antriebe für Autos und Bahnen sowie Wärmedämmung und in den Ausbau der Verkehrswege. (ak)
Deutsche wollen strengere Regeln für Unternehmen
Eine aktuelle Forsa-Studie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums zeigt, wie die Deutschen über die Globalisierung und die aktuellen wirtschaftspolitischen Maßnahmen denken