Containerumschlag im Hamburger Hafen eingebrochen

14.08.2009 15:49 Uhr
Cosco Guanghzou in Hamburg 290
Die Zeit der großen Containermengen ist in Hamburg vorerst vorbei
© Foto: Arndt

Einbruch im 1. Halbjahr 2009 um 30 Prozent / Massengutaufkommen bewahrt Hafen vor Schlimmeren

Hamburg. Der Containerumschlag in Deutschlands größtem Hafen Hamburg ist im 1. Halbjahr um fast 30 Prozent eingebrochen. Er fertigte von Januar bis Juni rund 3,6 Millionen TEU (20-Fuß-Standardcontainer) ab, 28,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das teilte die Hamburg Hafen Marketing (HHM) am Freitag mit. Beim gesamten Warenumschlag habe das Massengutaufkommen (minus 13 Prozent) den Hafen vor Schlimmeren bewahrt, sagte HHM-Chefin Claudia Roller. 54 Millionen Tonnen Güter wurden umgeschlagen, ein Rückgang von rund 24 Prozent. Mit dem wichtigsten Handelspartner China ging der Containerverkehr um 26 Prozent zurück und lag auch mit Asien insgesamt um ein Viertel niedriger als im Vorjahresvergleich. Dass habe sich negativ auf die Feederverkehre in die Ostsee-Region ausgewirkt, für die infolgedessen ebenfalls weniger Waren angelandet wurden. „Russland ist der zweite Partner, der uns sehr viel Sorgen macht“, sagte Roller. Der Warentransport per Container von dort sackte um fast 60 Prozent ab. Beide Länder wollen sich die HHM und die Hafenbehörde Port Authority (HPA) genauer vornehmen, beispielsweise Hafenpartnerschaften ausloten. „Beide Märkte werden als erstes wieder anspringen“, sagte HPA-Geschäftsführer Jens Meier. Trotz des Sogs der Wirtschaftskrise zeigte sich die HHM-Chefin zuversichtlich, dass es im 2. Halbjahr im Hafen allmählich wieder aufwärtsgeht. „Es gibt Zeichen der Erholung“, bekräftigte sie. Eine Prognose mochte sie aber nicht abgeben. Zu Boomzeiten 2008 hatte der Hafen gehofft, erstmals den Rekord von 10 Millionen TEU umgeschlagenen Containern zu erreichen. „Wir wollten mal Nummer Eins sein und sind jetzt Nummer Drei“, sagte Roller. Hamburg reiht sich hinter Rotterdam und Antwerpen in Europa ein. Große Containerschiffe bereiten „Kopfschmerzen“ „Kopfschmerzen“ bereitet den Hafen-Managern, dass immer mehr große Containerschiffe mit 8000 bis 10.000 TEU-Boxen an Bord wegen ihres Tiefgangs den Hamburger Hafen nicht voll beladen anlaufen können. „Alle lauern darauf, dass die Fahrrinnenanpassung kommt“, sagte Roller. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und der Hamburger Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) hatten jüngst erneute Verzögerung im Planungsverfahren bis in den Herbst 2010 hinein bekanntgegeben. Deswegen plädieren HHM und HPA dafür, einen „guten Mix“ aus Lotsen-, Schlepper- und HPA-Gebühren sowie Terminalkosten zu finden. Die Anlaufkosten an den Hamburger Hafen müssten reduziert werden, forderte Roller. Auch der Präses der Handelskammer, Frank Horch, mahnte bei allen Hafen-Akteuren „Weitsicht zum Wohle des Standortes“ an. Im Zuge des Ladungsrückgangs gerieten zunehmend die Kosten in den Blick der Hafenkunden. „Durch jüngste Erhöhungen beispielsweise beim Hafengeld oder bei den Lotsen hat Hamburg falsche Signale in den Markt gegeben“, teilte der Präses mit. Es sei bedauerlich, dass durch die Tiefgangsbeschränkungen auf der Unterelbe den Reedern weitere Kosten entstehen. (dpa/vr)

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