Am Mittwoch, 21. Oktober, wurde in Berlin die dritte BVL Supply Chain CX eröffnet. Zwei Tage lang werden im Berliner Estrel rund 1800 Teilnehmende über 160 Speaker erleben und können die Expo-Area mit rund 130 Ausstellern und Partnern besuchen. Ein schon traditionelles Highlight der Veranstaltung ist auch in diesem Jahr die Verleihung des Deutschen Logistik-Preises am Abend.
Optimistische Zahlen zum Auftakt zu Auftakt gab es ebenfalls. Der Wirtschaftsbereich Logistik in Deutschland wächst wieder, allerdings weiterhin mit begrenzter Dynamik. Zu diesem Ergebnis kommt der Gipfel der Logistikweisen auf seinem Herbstgipfel 2026. Für das laufende Jahr erwartet der Expertenkreis ein reales Wachstum von knapp einem Prozent. Im Trend-Szenario steigt die Logistikleistung 2027 real um 1,0 Prozent und nominal um 3,6 Prozent.
Chancen durch Digitalisierung und KI
Die Unsicherheit bleibt jedoch hoch: Im günstigen Szenario ist 2027 ein reales Wachstum von 1,6 Prozent möglich, im ungünstigen Fall lediglich von 0,2 Prozent. Geopolitische Konflikte, hohe Energie- und Personalkosten, strukturelle Veränderungen in den Schlüsselindustrien sowie ein möglicher Preisdruck belasten die Aussichten.
Entscheidend für die mittelfristige Wettbewerbsfähigkeit sind nach Einschätzung der Logistikweisen Investitionen in Automatisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. „Digitalisierung und KI bieten der Logistik in Deutschland aktuell die Möglichkeit, sich im internationalen Wettbewerb gut zu positionieren. Diese Chance sollten wir nutzen“, sagte denn auch der BVL-Vorstandsvorsitzender Kai Althoff.
Studie „Defense Logistics“ veröffentlicht
Vorgestellt wurde die Studie „Defense Logistics“. Der Wirtschaftsbereich Logistik sei bereit, eine stärkere Rolle für Deutschlands Verteidigungsfähigkeit und seine Funktion als logistische Drehscheibe der NATO in Europa zu übernehmen, wurde bei der gemeinsamen Präsentation der Studie durch BVL und Strategy& deutlich.
Staat, Bundeswehr und Wirtschaft müssten die zivil-militärische Zusammenarbeit langfristig, planbar und krisenfest ausgestalten, so ein Ergebnis der Studie. Als derzeitig wesentliche Hemmnisse nennen die Unternehmen unter anderem „komplexe Vergaben, Anforderungen an Geheimschutz und Exportkontrolle, fehlendes sicherheitsüberprüftes Personal sowie ungeklärte Haftungsfragen“. Als besonders wichtig werden beschleunigte Vergabeverfahren und langfristige Vertragsmodelle genannt.
Künstliche Intelligenz als entscheidender Hebel
Ebenfalls vorgestellt wurde die Vertiefungsstudie „KI und Resilienz: Supply Chains erfolgreich transformieren“, die in Kooperation mit 4flow erarbeitet wurde. Sie zeigt laut BVL, dass sich „Künstliche Intelligenz in Logistik und Supply Chain Management zum relevanten Hebel für Effizienz, bessere Entscheidungen und widerstandsfähigere Lieferketten entwickelt“.
Wichtig ist eine klare Strategie
Bereits 83 Prozent der befragten Unternehmen setzen KI ein oder pilotieren entsprechende Anwendungen – vor allem in Planung, Optimierung, Monitoring, Prognosen und Datenanalyse, so die Studie. Zugleich nehme die Bedeutung resilienter Supply Chains angesichts geopolitischer Risiken, volatilen Märkten und steigenden Flexibilitätsanforderungen weiter zu.
Entscheidend für den nachhaltigen KI-Einsatz sind laut Studie jedoch nicht allein technologische Fähigkeiten: Eine klare Strategie, belastbare Business Cases, wirksame Governance sowie die passenden Kompetenzen und eine geeignete Unternehmenskultur bestimmen, ob aus einzelnen Pilotprojekten skalierbarer wirtschaftlicher Nutzen entsteht.