Paris. Seit einigen Tagen hat die finanziell angeschlagene französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France/KLM einen neuen Vorstand. Zu den Aufgaben von Alexandre de Juniac, bisher an der Spitze von Air France, gehören vor allem die Neuordnung der Leitung des Unternehmens und die Einleitung einer weiteren Restrukturierungsphase.
Im ersten Quartal dieses Jahres hat das Betriebsergebnis der Gruppe ein Minus von 530 Millionen Euro ausgewiesen. Das Programm, das de Juniac nach seinem Amtsantritt vor den Führungskräften der Gruppe nach einem Bericht der Pariser Zeitung „Les Echos“ skizziert hat, läuft auf eine grundlegende Veränderung der bisherigen Leitungspraxis hinaus. Die Vertretungen der beiden Einheiten Air France und KLM müssen dem noch zustimmen.
Das entsprechende Exekutivkomitee aus 13 Mitgliedern ist zurzeit noch nicht vollständig gewählt. Schon jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass rund 200 mit Schlüsselfunktionen betraute Mitarbeiter die Aufgabe haben werden, die angekündigte neue Organisationsstruktur und die damit verbundene Sanierungsstrategie umzusetzen. Um mögliche Interessenkonflikte auszuschalten, sollen die Mitglieder des Exekutivkomitees nicht mehr zugleich auch den Leitungsgremien der beiden Gesellschaften angehören, - die Chefs und die Betriebsdirektoren ausgenommen.
Sanierungsplan hat weiterhin Vorrang
Vorrang räumt der neue AF/KLM-Chef dem finanziellen Sanierungsplan „Transform 2015“ ein, mit dem bisher schon 990 Millionen Euro eingespart worden sein sollen. Die Kosten am Air-France-Sitz in Paris haben sich seit 2011 um 3 Prozent verringert. Die erzielten Einsparungen reichen aber nicht aus, um den Gewinnrückgang im Passagegeschäft zu kompensieren. Auch das Vorhaben, durch Personalmaßnahmen die Produktivität um 20 Prozent zu erhöhen, konnte die Luftfahrtgruppe nicht erreichen und kam bisher nur auf 17 Prozent. Das bis Ende 2014 vorgegebene „Transform“-Planziel liegt bei 1,5 Milliarden Euro Einsparungen.
Sorgenkind Frachtgeschäft
Die Hauptanstrengungen der neuen Konzernleitung werden sich auf den Kurz- und Mittelstreckenverkehr sowie den noch immer hoch defizitären Cargobereich richten. Letzteres betrifft jedoch in erster Linie die holländische Seite. KLM und die Tochter Martinair verfügen noch über insgesamt 14 Frachtflugzeuge. Air France zählt dagegen nur noch 5, nachdem das Unternehmen für die Fracht vor allem die Gepäckräume im Personenverkehr genutzt und damit die Gesamtkapazität im Frachtbereich deutlich verringert hat.
Die Folge: Bei Air France/KLM gibt es derzeit 3 verschiedene nur für Cargozwecke vorgesehene Flugzeugtypen. Presseberichten zufolge gibt es Überlegungen, die entsprechenden Aktivitäten sei es von Paris oder Amsterdam aus zentral zu lenken. Dies jedoch könnte zwischen den beiden Konzerneinheiten zu sozialen Spannungen führen, weil dann die eine oder die andere Seite ihre bisherigen Cargogeschäfte komplett aufgeben müsste. (jb)