Zinsdruck der Finanzinvestoren belastet Scandlines

14.05.2009 12:39 Uhr
Scandlines
Scandlines rutscht in die Verlustzone
© Foto: Scandlines

Reederei in den roten Zahlen: Sehr gutes operatives Ergebnis wird durch hohe Kreditlast in Verlust umgewandelt

Rostock. Die Finanzierungslasten aus dem Verkauf der Fährreederei Scandlines im Juni 2007 drücken weiterhin auf den Gewinn des Unternehmens. Wie Scandlines heute in Rostock bekanntgab, mussten im vergangenen Jahr 71 Millionen Euro an Zinsen gezahlt werden. Dies entsprach mehr als der Hälfte des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 139 Millionen Euro. Vor rund zwei Jahren war Scandlines für 1,56 Milliarden Euro an ein dreiköpfiges Firmenkonsortium verkauft worden. Seither belasteten rund 1,1 Milliarden Euro die Bilanz. Zwar sei das Vorsteuer-Ergebnis 2008 „eines der besten in der zehnjährigen Geschichte der Scandlines-Gruppe“, sagte Vorstandschef Michael Hassing laut Mitteilung. Das insgesamt erzielte Minus nach Steuern von 20 Millionen Euro sei jedoch „nicht zufriedenstellend“. Betriebsratschef Detlef Kobrow äußerte sich nach der Vorstellung der Bilanz ähnlich: „Was das operative Ergebnis betrifft, geht es Scandlines nach wie vor gut - auch wenn der Verkehr dramatisch zurückgegangen ist“, sagte er. Nicht die laufenden Geschäfte, sondern die hohen Finanzierungskosten seien für den Fehlbetrag verantwortlich. Eigentümer des Unternehmens seit dem Verkauf im Jahr 2007 sind neben dem Finanzinvestor 3i die Allianz Capital Partners GmbH (je 40 Prozent) und die Deutsche Seereederei GmbH (20 Prozent). Der Umsatz von Scandlines sank 2008 den Angaben zufolge gegenüber dem Vorjahr um 7 Millionen auf zuletzt 584 Millionen Euro. Dieser Rückgang beruhe im Wesentlichen auf dem Verkauf von Anteilen an der früheren Tochtergesellschaft Sydfynske A/S Ende 2007, hieß es zur Begründung. Zudem habe sich das Transportgeschäft im vergangenen Jahr wegen der einsetzenden Wirtschafts- und Finanzkrise stark abgekühlt: „Das Marktumfeld hat sich dramatisch verändert.“ Im Frachtbereich sei das Volumen im ersten Quartal 2009 um ein Viertel eingebrochen. Mit Blick auf das laufenden Geschäftsjahr zeigte sich die Scandlines-Führung pessimistisch. „Die weiter sinkende Industrie- und Konsumgüter-Produktion wird den Frachtverkehr mit den baltischen Staaten, aber auch den Skandinavien-Verkehr negativ beeinflussen.“ Mit einer Markterholung sei in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Die trüben Aussichten in der Branche hätten Scandlines gezwungen, die Strategie „kurzfristig den veränderten Rahmenbedingungen“ anzupassen. Deshalb habe das Unternehmen zu Beginn dieses Jahres ein Rationalisierungsprogramm gestartet. Auch ein Umzug der Zentrale von Rostock ins schleswig-holsteinische Puttgarden wird seit Monaten diskutiert, nähere Angaben hierzu machte Scandlines am Donnerstag aber nicht. „Wir werden bereits heute, in Zeiten der Krise, die Weichen für langfristiges Wachstum stellen“, erklärte Hassing. Kobrow sagte, die Verhandlungen mit dem Management über einen Sozialplan für die rund 120 Mitarbeiter, die von einem Umzug der Verwaltungszentrale betroffen wären, seien noch nicht abgeschlossen. „Wir sehen diesen Umzug aber immer noch als überflüssig an.“ Insgesamt arbeiten in Rostock etwa 400 Scandlines-Beschäftigte. Der Hafen-Standort als solcher soll auch im Fall eines Umzugs erhalten bleiben. 2009 plane Scandlines weitere Investitionen und Marketing- Aktivitäten, um vor allem das Kurzreise-Segment auszubauen. Die Scandlines-Gruppe beschäftigt derzeit etwa 2400 Mitarbeiter und betreibt acht Fährlinien im Dreieck zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden sowie Lettland und Finnland. 2008 transportierte Scandlines nach eigenen Angaben mehr als 17,6 Millionen Passagiere, 3,6 Millionen PKW sowie 1,1 Millionen LKW und Trailer im Ostseeraum. (dpa)

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