Konstanz/Mannheim. Regen hin oder her: Der niedrige Wasserstand im Bodensee und auf dem Rhein behindert weiterhin die Schifffahrt, viele Frachter sitzen auf dem Trockenen oder können nur einen kleinen Teil ihrer Lieferung auf dem Wasserweg transportieren. Auch die Regenfälle in der Nacht zum Dienstag hätten nicht für eine Trendwende gesorgt, sagte Manfred Bremicker von der Hochwasser- Vorhersage-Zentrale in Karlsruhe. „Damit die Niedrigwasserphase zu einem Ende kommt, muss es großflächiger und stärker regnen“, erläuterte er. Schlechter dran war die Schifffahrt zuletzt nach der großen Trockenheit im Jahr 2003. Für Donnerstag sind laut Zentrale zwar erneut Regenschauer vorhergesagt. Aber auch diese werden die kritische Situation wohl vorerst nicht beenden, vermutet der Experte der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW). In Bodensee, Rheinzuflüssen, Talsperren und den natürlichen unterirdischen Wasserreservoiren herrscht deutlicher Wassermangel, wie auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschiffahrt (BDB) bemerkt. Regne es im Herbst nicht ordentlich, müsse die Industrie zu Notfallplänen greifen. Dann müssten Güter verstärkt auf Schiene und Straße verlagert werden. In Mannheim lag der Rheinpegel am Dienstag bei 1,16 Meter und damit um mehr als 80 Zentimeter unter dem Idealwert. „Schuld daran sind die ausbleibenden Regenfälle“, sagte Hafenmeister Wilhelm Müßig, trotz der jüngsten Niederschläge. „Viele Schiffsführer können so momentan nur noch mit halber Ladung fahren“, sagte er. Am Rhein bei Basel ist die Lage teilweise noch schlimmer. Dort können die Schiffe nur noch ein Drittel bis zu einem Viertel ihrer normalen Ladung aufnehmen, wie Peter Sauter von den Schweizerischen Rheinhäfen sagte. Die Passagierschifffahrt am Hochrhein stellte den Betrieb zwischen den beiden Schweizer Gemeinden Stein am Rhein bis Diessenhofen ein. Eine Sprecherin der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) sagte, die Ausflugsschiffe könnten den Hafen in Bad Schachen nicht mehr anfahren. Nonnenhorn (beides Kreis Lindau) wird trotzdem weiter angefahren, hieß es. Allerdings ist dies für die BSB nicht so tragisch, weil die Saison ohnehin am 18. Oktober endet. Der Pegelstand in Konstanz lag zuletzt bei 2,90 Meter und damit deutlich unter dem langjährigen Mittel von 3,35 Metern, teilte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes mit. „Der Pegel ist seiner Zeit etwa drei Monate voraus“, sagte er. Normalerweise ist das Wasser im Drei-Länder-See erst im Dezember so niedrig. Letztmals wies der Pegelstand im Oktober 2003 mit 2,64 Metern niedrigere Werte auf - da hatte zuvor der „Jahrhundertsommer“ dem Bodensee das Wasser entzogen. Die Fähren zwischen Romanshorn und Friedrichshafen sowie Konstanz und Meersburg haben noch keine Probleme - „das wird erst bei rund 2,30 Meter schwierig“, sagt die Sprecherin. Selbst in Europas größtem Binnenhafen in Duisburg Ruhrort herrscht bei Fahrrinnentiefen von rund 2,50 Metern relative Ebbe. Wasserstände von zwei Metern und weniger zwingen die Kapitäne, auf Teile der Ladung zu verzichten, um nicht auf Grund zu laufen. In Bayern können viele Schiffe die nicht ausgebaute Donaustrecke nicht passieren. Teilweise warten Schiffe schon seit Wochen. Auch manches Kreuzfahrtschiff muss auf der Passage passen. Dann müssen Urlauber mit dem Bus Richtung Süden gebracht werden. (dpa)
Schifffahrt durch niedrigen Wasserstand behindert
Viele Frachter können nur kleinen Teil der Lieferung auf dem Wasserweg transportieren / Keine Trendwende durch Regenfälle