Scandlines: Travemünde neues Sprungbrett nach Lettland

21.01.2010 10:12 Uhr
Scandlines Fähre Urd
Die Fracht-Passagier-Fähre „Urd“ fährt zwischen Travemünde und Ventspils
©Foto: Eckhard-Herbert Arndt

Durch den neuen Dienst sollen vor allem Kunden aus Westeuropa angesprochen werden / Rostock soll künftig ebenfalls berücksichtigt werden

Travemünde. Die deutsch-dänische Fährreederei Scandlines setzt auf den Fährhafen Lübeck-Travemünde als neuem, weiteren Sprungbrett für Fährverkehre in die östlich Ostsee. Seit dem 20. Januar besteht eine neue Fracht-Passagier-Verbindung zum lettischen Hafen Ventspils. Bislang nutzte die Reederei für diesen Dienst den Rostocker Hafen. Neben der Fracht-Passagier-Fähre „Urd“ (Baujahr 1981) soll auf der Route noch ein zweites Schiff zum Einsatz kommen. „Wir stehen unmittelbar vor dem Abschluss der Charter-Verhandlungen für das zweite Schiff“, sagte das für die Frachtsparte verantwortliche Management-Mitglied Søren Poulsgaard Jensen, am Mittwoch anlässlich des Erstanlaufs in Travemünde. Mit dem zweiten Schiff können dann vier wöchentlich Abfahrten auf der Route durchgeführt werden. Scandlines verspricht von der neuen Verbindung ab Travemünde viel, betonte Jensen, lehnte es aber ab, konkrete Ladungsmengen zu nennen. Durch die Westverlagerung des Start- und Zielhafens könnten wesentlich besser die wichtigen für einen solchen Dienst wichtigen Kunden – das sind vor allem die LKW-Speditions-Unternehmen im Benelux-Raum – angesprochen werden. Der Straßenvor und -nachlauf verkürze sich durch die Wahl von Travemünde gegenüber Rostock um rund 150 Kilometer pro Tour. Angesichts der knappen Margen bei den LKW-Transport-Unternehmen sei diese Kilometereinsparung von Bedeutung. Auch das stellte Jensen klar: „Wir arbeiten an einem Konzept, wie wir auch Rostock in den Dienst mit einbinden können.“ Die Streichung des größten mecklenburgischen Seehafens hatte an der Warnow für einige Verärgerung gesorgt. Die deutsch-dänische Reederei verhält sich mit dem Start des neuen Dienstes antizyklisch, denn andere Fähroperateure haben ihr Engagement im Baltikum ausgedünnt oder tragen sich mit entsprechenden Absichten. Die drei baltischen Staaten, die noch bis weit ins Krisenjahr 2008 hinein mit besonders hohen Wachstumsraten aufwarten konnten, wurden erheblich durch die Weltwirtschaftskrise getroffen. Auch das angrenzende Russland hat die Krise massiv getroffen. Die Folge sind erhebliche Rückgänge beim Warenaustausch. Bei Scandlines rechnet man in den kommenden Monaten jedoch mit einer schrittweisen Erholung in diesem Wirtschaftsraum. Die Masse der ostgehenden Waren werde von Ventspils direkt weiter nach Russland befördert, so Jensen. Der lettische Hafen sei dafür sehr gut geeignet. Zu den wichtigsten Gütern, die auf der Route befördert werden, gehören Konsumwaren sowie Halb- und Fertigwaren verschiedener Industriebereiche. Die RoPax-Fähre „Urd“ bietet insgesamt rund 1500 Lademeter Frachtraum. Rund 180 Passagiere können mit an Bord genommen werden. Die Reisedauer beträgt rund 28 Stunden. (eha)

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