Kopenhagen. Wenn Mærsk Mc-Kinney Møller ruft, vergessen in Kopenhagen auch der Regierungschef und die Royals andere Einträge im Terminkalender. Zum 95. Geburtstag von Dänemarks mächtigsten Industriellen an diesem Sonntag wird es nicht anders sein. Beim Multikonzern A.P. Møller-Maersk mit 110.000 Beschäftigten ist der Jubilar auch im Greisenalter weiter unumstritten Herr im eigenen Haus. Møller kommt täglich in die Konzernzentrale direkt neben dem Königsschloss Amalienborg. Er inspiziert eigene neue Hafenanlagen seiner Maersk-Container-Reederei in Dubai und schreibt aufmüpfigen dänischen Bürgerinitiativen persönliche Briefe, wenn sie keinen neuen Supermarkt seiner Føtex-Kette wünschen. Als der Däne am 13. Juli 1913 in Svendborg geboren wurde, betrieb sein Vater Arnold Peter Møller die Dampfschifffahrtsgesellschaften von 1904 und 1912. 1965 übernimmt der Sohn das Ruder über einen Großkonzern mit Reederei, Schiffswerften und dem Monopol über Dänemarks Öl sowie Naturgas in der Nordsee. Mc-Kinney Møller baut das Geschäft weiter aus. Er startet Fluggesellschaften, kauft sich bei Medien ein und macht seinen Konzern zum führenden dänischen Supermarktbetreiber. 2007 wurden 279 Milliarden Kronen (37,4 Milliarden Euro) umgesetzt und 19 Milliarden Kronen Reingewinn eingefahren. Maersk ist die mit Abstand größte Containerreederei der Welt mit mehr als 500 Schiffen. Zeitweise hat der Familienkonzern für gut 15 Prozent der dänischen Exporte gesorgt. Die dahinter stehende Macht ließ der ausgeprägt konservativ eingestellte Mc-Kinney Møller seine Landsleute auch auf bizarre Weise spüren. Kopenhagen „schenkte“ er die 2005 eingeweihte Oper am Hafen für umgerechnet 335 Millionen Euro. Aber nur unter der Bedingung, dass sie nach seinen persönlichen Vorstellungen in einer Sichtachse mit dem Schloss von Königin Margrethe II. aufgeführt wird. So geschah es. Nicht wenigen Normalbürgern missfällt, dass der Opernbau recht protzig ausgefallen ist und das kleinere Schloss schier zu erdrücken scheint. Mc-Kinney Møller reichte die Rechnung am Ende über die steuerliche Absetzung seiner Spende zur Hälfte an die Staatskasse weiter. Müdigkeit ist nicht auszumachen. Zwar werden die Tagesgeschäfte von anderen geführt. Die 60-jährige Ane Mc-Kinney Uggla als jüngste Tochter soll irgendwann Nachfolgerin an der obersten Spitze werden. Aber: „Mærsk Mc-Kinney Møller will nicht loslassen. Weder das Leben noch die Macht“, schrieb „Berlingske Tidende“ zum 95. Geburtstag. Die konservative Traditionszeitung weiß, wovon sie spricht. Der Reeder verkaufte seine Beteiligung an „Berlingske“ Ende der 90-er Jahre kurzerhand, als das Blatt eine kritische Reportage über Kriegsgeschäfte seines Vater A.P. Møller brachte. (dpa/sv)
Portrait: Mærsk Mc-Kinney Møller wird 95
Auch als Greis der mächtigst: Wenn Mærsk Mc-Kinney Møller ruft, vergessen auch der Regierungschef und die Royals andere Einträge im Terminkalender