Norditalien unter der Aschewolke

20.04.2010 09:54 Uhr
Cargoitalia Flugzeug
Cargoitalia musste den Flugverkehr über Mailand stark einschränken
© Foto: Cargoitalia

Keine Alternative zu mitteleuropäischen Flughäfen / Schiene profitiert nicht vom Flugverbot

Mailand. An einen Notfallplan für den Luftcargotransport denkt man in Italien seit Freitag. Seitdem man dort das erste Mal den Namen Eyjafjallajökull hörte. Doch eine Lösung gibt es nicht. „Ein Flugzeug braucht einen Flughafen“ sagt Roberto Gilardoni, Geschäftsführer von Cargoitalia. So einen wie Mailand-Malpensa. Doch der war aufgrund der Aschewolke von Samstag bis Dienstagmorgen dicht. Dabei war Malpensa zuvor die Hoffnung vieler Spediteure gewesen. Anfragen aus Hongkong, den Staaten und fast allen nordeuropäischen Ländern hatte es gegeben. Alle spekulierten darauf, ihre Fracht zumindest bis in die Lombardei bringen zu können. An- und Abtransport auf Schiene und Straße einkalkulierend. Hilfe gab es keine, denn auch Malpensa, so zeichnete sich bereits am Freitagabend ab, gehörte zu den betroffenen Flughäfen. Nur ein einziger Frachter der Cargoitalia konnte am Wochenende von dort abheben. Die Ausweichflughäfen im Norden waren geschlossen. Rom-Fiumicino hingegen gab dem Passagierverkehr in den Tagen der Luftraumschließung Vorrang. Blieben laut Gilardoni als größere, noch offene Cargoflughäfen in Italien Ancona, Neapel, Brindisi und Palermo. Ancona war „a rischio“, da es zu nahe am gesperrten Luftraum lag Neapel sei „schwierig“, Palermo eben auf einer Insel und Brindisi? „Möglich, aber 1100 Kilometer weit weg.“ Und genau da begann das nächste Problem: „Einsatzbereite LKW findet man keine mehr.“ Alles was fahren kann, fährt. Auf der Schiene hingegen lief laut Trenitalia „alles wie gehabt“. Eine der Luftcargo helfende Schnittstelle gibt es nicht. Zu wenig Güterzüge, keine passenden Umladestationen, Vorrang des Personenverkehrs und ein enger Fahrplan. Außerdem, heißt es bei Cargoitalia, „bräuchten wir alleine mehrere Tage, um für den Lufttransport konfektionierte Güter für die Schiene fertig zu machen.“ Rund zwölf Millionen Euro Schaden sollen in den Tagen der Schließung laut Federalimentare allein im Lebensmittel-Export entstanden sein. Vor allem frische und leicht verderbliche Waren sowie Blumen werden per Luftfracht transportiert. Allerdings, sagt der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Claudio Scajola, habe Italien, das wegen des vorwiegend per Straße stattfindenden Gütertransports oft als benachteiligt angesehen werde, gegenüber anderen Ländern einen Vorteil: „Denn beim internationalen Warenaustausch per Luft entfallen innerhalb Europas auf Italien nur sechs Prozent.“ (nj)

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