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Niedersächsische Häfen: Private Geldgeber sind in Zukunft stärker erwünscht

Gruß aus Bremen: Die Containerbrücke stand ursprünglich in Bremerhaven und wurde nach Cuxhaven verkauft. Der Elbehafen hofft immer noch auf mehr Containerumschlag in Zukunft
© Foto: VR/Eckhard-Herbert Arndt

Umschlag liegt 2010 unter dem Niveau des Krisenjahres 2009 / Wilhelmshaven-Ergebnis drückt auf das Gesamtresultat


Datum:
31.01.2011
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Oldenburg. Angesichts der Sparzwänge im Land Niedersachsen soll die private Hafenwirtschaft in Zukunft stärker auch für die Finanzierung von Infrastrukturbestandteilen gewonnen werden. Im Gegenzug erfolgt eine vertraglich-langfristig geregelte Verrechnung mit Hafenentgelten. Das kündigte Jens-Albert Oppel, Geschäftsführer von Niedersachsen Ports am Montag in Oldenburg auf der Jahrespressekonferenz an. Neben Oppel sprachen auch Niedersachsens Verkehrs- und Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) sowie Andreas Bullwinkel, Geschäftsführer der Hafenmarketing-Gesellschaft Seaports of Niedersachsen zu den Journalisten.

"Komplementärfinanzierungen" durch die Privatwirtschaft

Erste Erfahrungen mit dem neuen Finanzierungsmodell liegen bereits vor. So beteiligt sich der Stahlkonzern Salzgitter AG am Ausbau eine zweiten Großschiffliegeplatzes im Hafen Brake. Der Unterweserhafen ist für den Konzern gerade im Hinblick auf seine USA-Stahlexporte von großer Wichtigkeit. Der neue Liegeplatz wird rund 17,5 Millionen Euro kosten, die allerdings nicht vollständig durch den Konzern getragen werden. Voraussichtlich im September diesen Jahres soll der neue Schiffsliegeplatz seiner Bestimmung übergeben werden. Auch am Standort Emden wird das neue Finanzierungsmodell zum Tragen kommen. Hier ist der VW-Konzern der Partner, da Emden für den Autombilhersteller schon seit Jahrzehnten ein zentraler Verschiffungshafen für Exportfahrzeuge ist. VW wird sich an den Kosten für einen weiteren Dalben-Liegeplatz für Autofrachter beteiligen. Das Projekt verursacht Gesamtkosten in Höhe von fünf Millionen Euro.

Oppel wies darauf hin, dass die Inanspruchnahme von privatem Kapitel jedoch nicht den Ausstieg aus der Hafenfinanzierung durch die öffentliche Hand darstelle. Das Gegenteil sei der Fall. Die rund 250 Millionen Euro, die zwischen 2009 bis heute durch N-Ports investiert wurden und werden sprächen für sich. Zu den aktuellen Vorhaben gehört beispielsweise auch der Ausbau der Niedersachsenbrücke in Wilhelmshaven für den Kohleumschlag. Dafür sind rund 25 Millionen Euro vorgesehen.

Wilhelmshaven verliert große Mengen Rohöl-Umschlag

Auch aus Sicht von Verkehrs- und Wirtschaftsminister Bode ist die Mitwirkung der Privatwirtschaft beim Hafenausbau über die eigentliche Suprastruktur hinaus von Wichtigkeit. Er selbst spricht von "Komplementärfinanzierungen" . Bode: "Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Wirtschaft möchte ich fortsetzen." Was die Umschlagentwicklung der niedersächsischen Häfen im Jahr 2010 angeht, sei dieser im Berichtsjahr in der Gesamtsumme von 46,5 Millionen zwar um gut elf Prozent geringer ausgefallen. "Das ist aber allein der Sondersituation beim Ölumschlag in Wilhelmshaven geschuldet", ergänzte er. Wilhelmshaven ist noch Deutschlands bedeutendster Ölumschlaghafen. Die drohende Schließung der der dortigen Ölraffinerie – aktuell besteht bereits ein Produktionsstopp – hinterlässt seine Spuren beim Ölumschlag. 2010 wurden noch rund 20,5 Millionen Tonnen umgeschlagen. Im Jahr zuvor waren es noch 24,8 Millionen Tonnen.

Bode sieht die niedersächsischen Häfen weiterhin einem starken Wandel und Wettbewerb ausgesetzt. Dafür müssten rechtzeitig die entsprechenden Weichenstellungen vollzogen werden. Eine davon betrifft den weiteren Ausbau der Hafenhinterland-Verbindungen. "Das ist eine nationale Aufgabe", stellte Bode klar und forderte einmal mehr vom Bund einen "Investitionsschwerpunkt Norddeutschland". Für sein Ministerium kündigte er die Fortschreibung des niedersächsischen Hafenkonzeptes an. Die Ergebnisse dazu würden "im Laufe des Jahres" vorliegen.

Offshore-Industrie wird als neues Wachstumsfeld erkannt

Andreas Bullwinkel, Seaports of Niedersachsen-Geschäftsführer, wies auf die teilweise exzellenten Umschlagentwicklungen in Häfen wie Emden, Cuxhaven oder Brake hin. Sie lägen in allen drei Fällen im höheren zweistelligen Prozentbereich. So profitiere beispielsweise Emden vom starken deutschen Auto-Export. Mit 1,085 Millionen Fahrzeugen habe der ostfriesische Hafen sogar das bisherige Spitzenergebnis aus dem Jahr 2007 toppen können. Im Vergleich zum Krisenjahr 2009 fällt der Zuwachs sogar noch beeindruckender aus: plus 32 Prozent.

Cuxhaven behaupte sich erfolgreich als Umschlagplatz für massenhaftes Stückgut, als Autoumschlagplatz und auch auf dem Wachstumsfeld Offshore-Komponenten. Mit 2,15 Millionen t gingen gut 24 Prozent mehr über die Kaikanten. Bullwinkel wies darauf hin, dass das Thema Offshore einen zentralen Stellenwert bei Seaports of Niedersachsen einnimmt. Das werde sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Aktuell arbeite man einer "Zusammenstellung sämtlicher Offeshore-relevanter Hafendetails". Sie werden künftig über das Internet abrufbar sein.

Um den Erholungsprozess der niedersächsischen Häfen zu unterstützen wird die Hafenverwaltung N-Ports auch 2011 darauf verzichten, die Hafentarife zu erhöhen. Entsprechende Verzichte hatte hatte N-Ports auch 2009 und 2010 beschlossen. Jens-Albert Oppel: "Wir wollen die momentane Stabilisierung nicht gefährden." Für das laufende Jahr sind alle Beteiligten zuversichtlich. Die weitere Erholung der Weltwirtschaft werde auch auf die niedersächsischen Häfen positiv ausstrahlen. (eha) 

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