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Maritimer Gipfel: Finanzierungsprobleme im Schiffbau weiter ungelöst

Der VDR schätzt, dass etwa 1,5 bis 2 Milliarden Euro für die Finanzierung von Neubauten fehlen
© Foto: Bremer Rhederverein

Lage der maritimen Wirtschaft hat sich stabilisiert / Ungelöste Finanzierungsfragen müssen jedoch dringend geklärt werden


Datum:
06.07.2010
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Berlin. Obwohl die deutschen Reeder und Werften die Wirtschaftskrise weitgehend überstanden haben, bleiben die Liquiditätsprobleme der Branche ungelöst. Das ist das Ergebnis des Maritimen Gipfels, der Anfang der Woche mit Vertretern von Bund, Küstenländern und maritimer Wirtschaft und dem Maritimen Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto, und Hamburgs Wirtschaftssenator Axel Gedaschko in Berlin stattfand.

"Alle Beteiligten haben gemeinsam wichtige Schritte zur Stabilisierung der Maritimen Wirtschaft erreicht. Doch noch haben wir nicht gewonnen," sagte Wirtschaftsenator Gedaschko. Zentrale Aufgabe der nächsten Monate sei deshalb, ungelöste Finanzierungsfragen der maritimen Wirtschaft zu klären. Liquiditätsprobleme in einer Größenordnung von 170 Millionen Euro pro Jahr bis 2012 sind nach Einschätzung des Verbands Deutscher Reeder (VDR) allein für die Schiffe in Fahrt zu lösen. Hinzu kämen etwa 1,5 bis 2 Milliarden Euro für die Finanzierung von Neubauten. Gelingt es nicht, gerade für die in Fahrt befindlichen Schiffe Lösungen zu finden, sei mit dem Verkauf einer Vielzahl von Schiffen ins Ausland zu rechnen.

VDR: Banken sollen Beitrag zu einer Verbesserung der maritimen Wirtschaft leisten

Der VDR kritisierte das Auslaufen des Deutschlandfonds, einem Beihilfepaket für die deutsche Wirtschaft vom Bund, und forderte eine Verlängerung der Unterstützung über das Jahr 2010 hinaus. "Die großen Liquiditätsengpässe entstehen in der Regel erst bei einem beginnenden Aufschwung. Da hat das Ministerium jetzt das falsche Signal gegeben," erklärte VDR-Hauptgeschäftsführer Ralf Nagel.

Unklar blieb außerdem die mögliche Rolle der KfW-Bank gerade für die mittelständischen Reeder. Daher appellierte der VDR an die Banken, weiterhin ihren Beitrag zum Erhalt der vielfältigen Struktur des mitteständisch geprägten Reedereistandortes in Deutschland zu leisten. Irritiert zeigte sich Nagel über die Ankündigung der KfW-Bank, bei den Ratings einen neuen Maßstab vorzulegen.

Laut VDR ist bei den Neubaubestellungen deutscher Reeder das Problem nicht mehr so groß wie ursprünglich angenommen worden ist. Viele Reeder hätten mit den Werften bereits individuelle Lösungen gefunden. Der Verband nehme das Angebot der Bundesregierung jedoch gerne an, die Gespräche mit der chinesischen Seite weiterhin politisch zu flankieren.

Ein positives Signal habe der Gipfel hingegen für den Umweltschutz gegeben. Die Reeder werden die Förderung von Slow-Steaming-Umrüstungsmaßnahmen aus dem KfW-Programm oder aus den Bürgschaftsprogrammen von Bund und Ländern aufnehmen, um die Schiffe für den entsprechenden umweltfreundlichen Betrieb umzurüsten. Nach Meinung des VDR wäre es hilfreich, wenn dieses Programm auch auf andere Umrüstungsmaßnahmen zum Schutz der Umwelt ausgeweitet würde.

SPD-Bundestagsabgeordneter Beckmeyer fordert Kreditförderprogramme für die Zulieferfirmen der Werften

Als Reaktion auf den Maritimen Gipfel schlug der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Uwe Beckmeyer in einer Mitteilung vor, die Rahmenbedingungen für die Werftindustrie zu verbessern, indem verschiedene Ansätze für eine bedarfsgerechte Anpassung der Finanzierungsstrukturen kombiniert werden. Denkbar wäre beispielsweise, folgende Instrumente zu verbinden: eine Finanzierung von 80 Prozent des Baupreises vor Ablieferung mit 100 Prozent Exportkreditdeckung oder eine Finanzierung von 100 Prozent des Baupreises nach Ablieferung durch entweder 20 Prozent Werftkredit oder 80 Prozent als Exportkredit mit 100 Prozent Exportkreditdeckung  sowie Kreditförderprogramme für die Zulieferfirmen der Werften.

Auch Torsten Staffeldt, Schifffahrts- und Energieeffizienzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, begrüßte die Ergebnisse der Maritimen Konferenz. "Die Bundesregierung nutzt alle Möglichkeiten der EU und der OECD, um die Schifffahrtsbranche zu fördern", erklärte der liberale Berichterstatter für Schifffahrt und Häfen. Wenn sich die EU im Zuge des zeitlich befristeten Beihilfesystems für eine branchenspezifische Krisenfinanzierung, zum Beispiel des Schiffbaus entscheidet, dann werde sich auch Deutschland daran beteiligen. "Damit zeigt die Bundesregierung, dass sie auf die Situation der Schifffahrtsbranche differenziert und angemessen reagiert", betonte Staffeldt. (ab)

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