Jahncke: Schienengüterverkehr auf ICE-Neubaustrecken

18.06.2010 15:12 Uhr
Ralf Jahncke, Transcare
Jahncke: "Umweltpolitik bietet für Politiker ein sensationelles Alibi, um die Verteuerung von Verkehren zu rechtfertigen"
©Foto: Wirtschaftsbeirat Bayern

Transcare-Geschäftsführer Jahncke schlägt vor, ICE-Neubaustrecken für den Schienengüterverkehr zu nutzen und mehr Wettbewerb auf der Schiene zu schaffen

München. Indem die nötigen technischen Voraussetzungen geschaffen und ICE-Züge innen umgebaut werden, könnten die Hochgeschwindigkeitszüge ebenso für den Schienengüterverkehr verwendet werden. Diesen Vorschlag machte Ralf Jahncke, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Transcare, vergangene Woche bei seinem Vortrag "Umweltpolitik versus Verkehrspolitik - wer treibt wen?", zu dem der Verkehrsausschuss des Wirtschaftsbeirats Bayern geladen hatte.  "Was wir bisher haben, ist nur Ressourcenverschwendung", argumentierte der Berater. Durch seinen Vorschlag könnten hingegen die verhältnismäßig wenig befahrenen ICE-Neubaustrecken für den Schienengüterverkehr genutzt werden.

Jahncke betonte, dass die Verkehrsverlagerung auf die Schiene ein wichtiger Bestandteil umweltfreundlicher und ökonomischer Verkehrspolitik sei. "Das bedeutet aber nicht, dass ich die Straße diskriminieren will", sagte der Referent, der seit 1998 Mitglied des Arbeitskreises Intermodal bei der Bundesvereinigung Logistik ist. Damit mehr Verkehre auf die Schiene verlagert werden, müsse dieser Verkehrsträger seine Attraktivität steigern. "Und das geht nur, wenn auf dem Gleis mehr Wettbewerb herrscht", sagte Jahncke. Der Schienentransport rentiere sich nur ab einer gewissen Streckenlänge und nicht im Regionalverkehr, wo weiterhin der Verkehrsträger Straße im Vorteil sei.

Ebenfalls für ökologisch und ökonomisch sinnvoll hält Jahncke eine Zusammenführung von Umschlag und Lagerhaltung. Durch Verladerkooperationen könnten Leerfahrten eingespart und durch Dienstleisterkooperationen die letzte Meile optimiert werden. Als Beispiel nannte er einen Auftrag seines Unternehmens in Venedig, wo er die Anzahl der Bootsfahrten für Fracht verringern sollte. Dafür plante Transcare ein City-Logistik Center am Stadtrand der Lagunenstadt zur zentralen Distribution der Warentransporte. Die Altstadt wurde in 33 Parzellen eingeteilt, die nun per Boot nach einem fest disponierten Routenplan beliefert werden. Dadurch wurden nach eigenen Angaben die Bootsfahrten um 75 Prozent reduziert. (ab)

 

 

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