Gigaliner: Bundesverkehrsministerium fordert Abbruch des Feldversuchs

05.09.2006 00:00 Uhr

Verkehrsressort und Bahnlobby machen mobil gegen 25-Meter-Laster in Niedersachsen: Studie prognostiziert dramatischen Einbruch beim Kombinierten Verkehr

Berlin/Frankfurt. Das Bundesverkehrsministerium hat das Land Niedersachsen aufgefordert, den Modellversuch mit den Gigalinern abzubrechen. In einem Schreiben, das der Nachrichtenagentur „dpa“ am Montag vorlag, wirft das Berliner Ministerium den Amtskollegen in Hannover vor, sich über die „nachdrückliche Bitte“ des Bundes hinweggesetzt zu haben, auf eine Zulassung der Fahrzeuge zunächst zu verzichten. Niedersachsen wurde dringend aufgefordert, die Entscheidung zurückzunehmen. Eine Sprecherin von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, die Risiken für die Verkehrssicherheit seien noch nicht abschließend geklärt. Unklar seien die Auswirkungen der schweren Laster auf Straßen, Brücken und die Innenstädte. Derzeit bereitet die Bundesanstalt für Straßenwesen eine Studie zu dem Thema vor. Zudem hält der Bund die von Niedersachsen für den Modellversuch erteilte Zulassung für 25 Meter lange Nutzfahrzeuge vom Typ „GigaLiner“ für rechtswidrig. Auch das Unternehmen Kombiverkehr bezieht erneut Position gegen die extralangen Laster. Ob der geplante Einsatz von so genannten EuroCombis tatsächlich die Zahl der LKW-Fahrten verringert, ist nach Aussage einer Studie keinesfalls gesichert. Im Auftrag der Kombiverkehr hat die TIM Consult, Mannheim, untersucht, welche Folgen der Einsatz der 25-Meter-Laster in Deutschland hätte. In einer Studie kommt das Beratungsunternehmen zu dem Ergebnis, dass solche Fahrzeugkombinationen, wie etwa der Gigaliner vom Hersteller Krone, dem Straßengüterverkehr einen Kostenvorteil von bis zu 25 Prozent beschere. Als Folge wären 56 Prozent des derzeitigen Transportaufkommens von etwa 50 Millionen Tonnen im Kombinierten Verkehr (KV) in Deutschland durch einen Einsatz der EuroCombis gefährdet. „Das entspricht 1,3 Millionen LKW-Transporten pro Jahr“, sagt Kombiverkehrs-Geschäftsführer Armin Riedl anlässlich der Vorstellung der Studie in Frankfurt. Die Folge: Kombiverkehr wäre in seiner jetzigen Struktur in seiner Existenz gefährdet und müsste sich völlig neu ausrichten. Riedls Appell an die Politik lautete daher: „Es darf keine weiteren Ausnahmegenehmigungen für Gigaliner-LKW geben, wenn der KV nicht massiv geschwächt werden soll.“ Zudem kämen Länder wie Frankreich, Spanien oder Italien, die die „Monster-Trucks“ bislang vehement ablehnten, unter Zugzwang. Ließen sie die überlangen LKW zu, würde sich auch der Transitverkehr in Deutschland massiv erhöhen, so der Kombiverkehr-Geschäftsführer. „Die Einführung der Gigaliner ist ökonomisch und verkehrspolitisch unsinnig“, meinte auch Andreas Geißler von der Allianz pro Schiene. „Wer große LKW will, will Verkehr auf der Straße.“ Zudem belasteten die Fahrzeuge die Straßeninfrastruktur, insbesondere Brücken, stark. Auch seien sie wegen ihrer Länge und Masse ein Sicherheitsrisiko. (dpa/cd)

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