Elbvertiefung: Hamburg setzt auf Zuversicht

10.10.2008 17:45 Uhr
Elbe
Beginnt nächstes Jahr das Ausbaggern der Elbe?
© Foto: Arndt

Das Ausbaggern der Elbe könnte Ende 2009 beginnen: Hamburg befürchtet höhere Baukosten für Deichsicherheit

Hamburg. Die Hamburger Hafenwirtschaft darf in Sachen Elbfahrrinnen-Vertiefung neue Hoffnung schöpfen. Ende 2009 könnten die Bagger mit der Herrichtung der Fahrrinne für ein tidenunabhängiges Befahren durch Frachter mit 14,50 Meter Tiefgang beginnen. Davon geht Hamburgs Hafen – und Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) aus. Er begründet seine Zuversicht unter anderem damit, dass in dieser Woche mit den wichtigen Deichschutzverbänden in Niedersachsen ein Durchbruch beim zentralen Thema Deichsicherheit erzielt wurde. Im Kern geht es darum, dass der Bund künftig für die Unterhaltungs- und Reparaturkosten an den Deckwerken der Elbdeiche aufkommen wird. Bislang ist diese Aufgabe Ländersache. Die niedersächsische Landesregierung in Hannover hat immer wieder erklärt, dass die Klärung des Deichsicherheits-Themas für sie das Ausschluss-Kriterium für die Zustimmung zu der aus Hamburger Sicht unverzichtbaren Vertiefung ist. Hingegen hat das Land Schleswig-Holstein in der Vergangenheit bereits wiederholt erklärt, der Fahrrinnenanpassung zuzustimmen. Der Hamburger Hafensenator geht davon aus, dass der Bund und das Land Niedersachsen noch am 20. November einen entsprechenden Vertrag über den so genannten Deichtausch unterschreiben werden. Das Datum wäre bewusst gewählt: Denn an dem Tag endet die Einwendungsfrist im Rahmen des laufenden Planfeststellungsverfahrens. Die überarbeiteten Planungsunterlagen für die erneute Elbfahrrinnenanpassung wurden am vergangenen Dienstag ausgelegt. Mit einem Planfeststellungsbeschluss rechnet die Hamburger Wirtschaftsbehörde im Herbst 2009. Das wäre exakt zehn Jahre nach dem Abschluss der bislang letzten Flussanpassung 1999. Wobei sich die Hamburger auch darüber im Klaren sind: Es wird Klagen geben. Schon jetzt liegen 5000 Einwendungen auf dem Tisch. Trotzdem setzt die Gedaschko-Behörde auf Zuversicht. Gut 21 Monate werden für die Baggermaßnahmen veranschlagt. Dies bedeutet, in der zweiten Jahreshälfte 2011 könnten Frachter in den vollen Genuss der dann angepassten Fahrrinnen kommen. „Wobei schon gut sechs Monate nach Beginn der Arbeiten für die Schifffahrt merkbare Verbesserungen erreicht werden“, unterstreicht Jörg Oellerich, Leiter des Projektbüros Fahrrinnenanpassung bei der Hamburg Port Authortiy (HPA). Auch das ist wichtig: Der Fluss wird nicht durchgängig ausgebaggert, sondern in genau eingegrenzten Bereichen. Umfassend sind die Ausgleichs- und Begleitmaßnahmen, die zu beschreiben, den Rahmen sprengen würde. So stellt sich die HPA beispielsweise darauf ein, zwischen 500 bis 1000 Hektar Ausgleichsfläche zu erwerben. Die Kosten der Vertiefung belaufen sich auf der Grundlage einer älteren Kalkulation auf rund 350 Millionen Euro, wobei der Bund rund 70 Prozent und das Land Hamburg die restlichen 30 Prozent zu tragen haben. Dass es am Ende mehr werden könnten, will auch Oellerich nicht grundsätzlich ausschließen, ohne sich allerdings auf eine Zahl festzulegen. Kostentreiber könnten die gestiegenen Preise für Baumaterial ebenso sein wie die Charterkosten für die benötigten Spezialbagger. Da sie im weltweiten Einsatz sind, gilt auch hier das einfache Spiel: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Hafensenator Gedaschko ist allerdings davon überzeugt, dass das Geld gut angelegt ist. Denn: „Von der Funktionsfähigkeit des Hamburger Hafens profitiert die gesamt Nation.“ Der Betrag mute zwar hoch an: „Doch für das Geld könnte man in Deutschland gerade mal 15 Kilometer Autobahn bauen.“ (eha)

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