„Es kann nicht sein, dass ganze Industriezweige aufgrund von Finanzwetten zugrundegehen, obwohl sie eigentlich kerngesund sind“, klagt Warren Buffet, der selbst durch Finanzspekulationen zum derzeit reichsten Mann der Welt wurde. Ganze Wirtschaftsbranchen taumeln, weil sich die Finanzindustrie in ihren Renditeträumen mit virtuellen, weltweit betriebenen Geschäften gnadenlos verzockt hat. Betroffen von den Folgen dieser Gier nach immer mehr Gewinn sind nicht nur Finanzjongleure. Zunehmend trifft es die Mittelschicht, die normalen Angestellten eines Unternehmens, die um ihre Jobs bangen müssen. Der renommierte Wirtschaftsjournalist Ulrich Schäfer nennt diese Angestellten die Lehmschicht – ein Unwort, welches Siemens-Chef Peter Löscher prägte, der dazu aufrief, die Lehmschicht abzutragen. Schäfer zeichnet die (Fehl-)Entwicklungen, die zur Finanzmarktkrise führten, gut verständlich nach. Dabei liefert er eine spannende Wirtschaftsgeschichte der Neuzeit ab. Anschaulich und unterhaltsam geschrieben, zieht er einen Bogen vom Beginn der sozialen Marktwirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg, über den Sieg des Neoliberalismus und der damit einhergehenden Deregulierung der Märkte bis hin zur Finanzmarktblase. Schäfer gelingt eine kritische und dabei nachvollziehbare Analyse. (sb) Ulrich Schäfer, Der Crash des Kapitalismus. Warum die entfesselte Marktwirtschaft scheiterte. Campus Verlag, München 2009, 326 Seiten, ungebunden, 19,90 Euro, ISBN 978-3-593-38854-0
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