Immer mehr Containerschiffe auf Abwrack-Kurs

08.06.2009 10:28 Uhr
Cosco Guanghzou in Hamburg 290
Die weltweite Containerschifffahrt bekommt die Wirtschaftskrise deutlich zu spüren
© Foto: Arndt

In den ersten vier Monaten 2009 wanderten bereits 48 Schiffe unter den Schneidbrenner

Hamburg. Die besonders auf dem Containerschiffssektor spürbare Weltwirtschaftskrise hat nicht nur den Neubaumarkt zum Stillstand gebracht, sondern auch den Strom an zu verschrottender Tonnage verstärkt: Während im vergangenen Jahr weltweit insgesamt 58 Containerfrachter mit einer Gesamtkapazität von 100.000 Standardcontainern (TEU) ihre letzte Reise zu einem Abbruchbetrieb antraten, waren es in den ersten vier Monaten dieses Jahres bereits 48 Schiffe mit 70000 TEU, die unter den Schneidbrenner kamen. Statt Neubauten zu ordern, konzentrieren sich die Reeder derzeit vor allem auf die Restrukturierung des bestehenden Orderbuchs. Zwar zeigten die asiatischen Werften bisher wenig Bereitschaft, bestehende Aufträge zu stornieren, doch scheinen sie auf Verhandlungen über spätere Ablieferungen einzugehen, stellt das Hamburger Emissionshaus Hansa Treuhand in seiner jüngsten Marktanalyse fest. Nicht zuletzt auch deshalb, weil manche Besteller offensichtlich bereit sind, lieber vom Kaufvertrag zurückzutreten und ihre Anzahlung verloren zu geben. Auch der An- und Verkaufsmarkt für gebrauchte Containerschiffe zeigt wenig Bewegung, da die Eigner laut Hansa Treuhand nicht gewillt sind, auf dem heutigen niedrigen Niveau zu verkaufen. Nachdem der Chartermarktindex für Schiffe zwischen 250 und 4250 TEU im April um 2,83 Punkte beziehungsweise 6,1 Prozent auf 43,33Punkte erneut nachgegeben hatte, versuchen die Eigner ihre Schiffe in Fahrt zu halten und akzeptieren teilweise Raten, die auf Betriebskostenniveau liegen. Dieses Verhalten und die wachsende Anzahl aufgelegter Containerschiffe halten die Raten weiter unter Druck. Immerhin gebe es Anzeichen, dass Charterer bereit sind, Schiffe wieder für längere Perioden plus Optionen zur Verlängerung zu schließen, wenngleich auf dem bestehenden Niveau, so Hansa Treuhand. Während die meisten Abschlüsse im Bereich der Zubringerschiffe getätigt würden und dort auch ein leichter Ratenanstieg zu verzeichnen sei, sei die Rückkehr der größeren Schiffsklassen an den Chartermarkt positiv zu bewerten, meldeten die Hamburger Analysten. So sei ein Schiff mit einer Stellplatzkapazität von 5700 Standardcontainern (TEU) für zwei Jahre zu einem Tagessatz von 8000 US-Dollar aus dem Markt gegangen. (jm)

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