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Dänen streiten über Fehmarnbelt-Querung

Mit Berichten über die Verteuerung des Projektes werden in Kopenhagen die kritischen Stimmen lauter
© Foto: ddp/Thomas Nyfeler

Der dänische Ex-Verkehrsminister Arne Melchior warnt mit drastischen Worten vor dem Bau der geplanten Ostsee-Verbindung nach Deutschland


Datum:
05.11.2010
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Kopenhagen/Wallnau auf Fehmarn. "Der Bau der Fehmarnbelt-Querung wäre reine Verkehrsromantik", meint Arne Melchior. Dass ausgerechnet ein dänischer Ex-Verkehrsminister jetzt ausdrücklich von einer 19 Kilometer langen Ostsee-Brücke oder einem Tunnel abrät, zeigt eine neue Tonlage gegenüber dem Projekt zwischen Puttgarden auf Fehmarn und dem dänischen Rodby. "Ich bin als heißer Anhänger fester Verbindungen bekannt, falls Geografie, Umwelt und Finanzen dafür sprechen. Wenn ich jetzt kräftig warne, sollte man es ernst nehmen", schrieb Melchior in "Berlingske Tidende".

Kritik an der Aufteilung der Kosten zwischen Dänemark und Deutschland

Spätestens seit Berichten über die Verteuerung des bisher auf 4,4 Milliarden Euro veranschlagten Brückenbaus mehren sich die kritischen Stimmen über die vor zwei Jahren mit der Bundesregierung geschlossene Planungsvereinbarung. "Ist es früher schon mal vorgekommen, dass eine feste Verbindung der Megaklasse gebaut oder geplant wurde, bei der nur eins der Länder für 100 Prozent der Investitionen und des Risikos steht?" fragte Melchior spitz.

Als 2008 eine seiner Nachfolger, die inzwischen auch schon abgelöste Carina Christensen, mit ihrem damaligen Berliner Kollegen Wolfgang Tiefensee (SPD) den Vertrag über die Projektplanung unterzeichnete, übernahm das kleine Dänemark sämtliche Kosten für den eigentlichen Brücken- oder Tunnelbau. Für das mehr als zehnmal so große, aber auch 2008 schon mit leeren Staatskassen kämpfende Deutschland sollten nur Anbindungskosten an Land über 800 Millionen Euro anfallen. Die sich aber nach Meinung des Bundesrechnungshofes noch verdoppeln könnten.

Inzwischen hat die Finanzkrise auch den beispiellos langen Wirtschaftsboom bei den Skandinaviern abrupt beendet. Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen muss spätestens nächstes Jahr im Wahlkampf bittere Sparmaßnahmen verteidigen. Wähler in Jütland, dem dänischen Festland, sind ohnehin seit langem sauer, weil sie sich vernachlässigt fühlen. Und nun für eine Brücke ganz woanders bezahlen sollen, die nach Überzeugung vieler vor allem Schweden für schnelleren Transit Richtung Süden nützt.

Die Variante mit Brücke soll nun doch 5,2 statt 4,4 Milliarden Euro kosten

Da dürfte es höchst ungelegen gekommen sein, was der jetzige Verkehrsminister Christian Schmidt letzte Woche offiziell verkünden musste. Der bisher von den Planern bevorzugte Brückenbau soll 5,2 statt 4,4 Milliarden Euro kosten. Dafür würde sich ein Tunnel von bisher geschätzten 5,5 auf 5 Milliarden Euro verbilligen. Die bislang für 2018 anvisierte Fertigstellung muss auf 2020 verschoben werden.

Schmidt verteidigt das Riesenprojekt trotzdem unverdrossen als "grundsolide" und hat dafür auch weiter eine klare Mehrheit im Kopenhagener Folketing hinter sich. Parteienvertreter diskutierten nach den neuen Kalkulationen nicht das grundsätzliche Ja oder Nein, sondern die Frage Brücke oder Tunnel. "Viele leiden ja an Angst vor Tunneln", sinnierte die verkehrspolitische Sprecherin der Konservativen, Henriette Kjær. Von der sozialdemokratischen Opposition war zu hören, dass doch gewaltige Brückenkonstruktionen sehr schön anzusehen seien.

Umweltverband: Berichterstattung in Dänemark ist kritischer geworden

Für Malte Siegert, Sprecher der deutschen Querungs-Kritiker vom Umweltverband NABU, sind das alles "Nebelkerzen", um den für die Betreiber lukrativeren Brückenbau trotz Verteuerung gegen die von Umweltschützern bevorzugte Tunnellösung durchzusetzen. In Wallnau auf der Insel Fehmarn erlebt auch er, dass die bisher fast ausschließlich deutsche Kritik an dem Riesenprojekt in Dänemark an Gewicht gewinnt: "Es kommen deutlich mehr Medienanfragen aus Kopenhagen, und die Berichterstattung dort ist kritischer geworden." Für Siegert ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, ob es überhaupt zum Bau kommt: "Stuttgart 21 lässt grüßen." (dpa)

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