Hamburg. Die nächsten Monate liegen für den Hamburger Hafen in dichtem Nebel. Weder der verantwortliche Wirtschaftssenator noch der Marketing-Chef des größten deutschen Seehafens wollten am Donnerstag in der Hansestadt eine Prognose über die Entwicklung des Hafenumschlags in diesem Jahr abgeben. „Wir fahren auf Sicht und die Unternehmen planen von Monat zu Monat“, sagte Marketing-Vorstand Jürgen Sorgenfrei. Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) ergänzte: „Kein vernünftiger Mensch kann derzeit die weitere wirtschaftliche Entwicklung voraussagen.“ Das abgelaufene Jahr endete für den Hamburger Hafen erstmals seit Jahrzehnten mit einem rückläufigen Containerumschlag. Insgesamt wurden im Hafen 9,7 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen, das sind 1,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der gesamte Hafenumschlag blieb mit 140,4 Millionen Tonnen konstant. Das sei immer noch der zweithöchste Umschlag in der Hafengeschichte. Dabei ist der Rückgang des Containerumschlags vor allem auf starke Einbrüche im zweistelligen Prozentbereich in den letzten drei Monaten des Jahres zurückzuführen. Abhängig ist das Wachstum des Hafens vor allem von den Exporten Chinas. Ein Drittel des Hamburger Containerumschlags wird mit China abgewickelt. Die Hoffnungen der Hamburger Hafenwirtschaft richten sich auf die Anpassungsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft. „Die Chinesen sind schnell; sie werden Hindernisse beiseite räumen“, meinte Sorgenfrei. Er hoffe, dass im zweiten Halbjahr das Bild klarer werde und das Wachstum wieder einsetze. Ungeachtet der schwachen aktuellen Entwicklung will Gedaschko die Investitionen in die Hafen-Infrastruktur unvermindert fortsetzen. „Selbstverständlich wird das Wachstum zurückkommen“, sagte der Wirtschaftssenator. „Wir wollen weiter Vollgas geben.“ Damit rückte er auch den nach einem Interview entstandenen Eindruck zurecht, der Senat wolle beim Ausbau des Hafens auf die Bremse treten. Mit der Krise kommen weniger Schiffe nach Hamburg, die jedoch immer größer werden. Damit werde die geplante Elbvertiefung noch dringender, erklärte Gedaschko. Die niedersächsischen Deichverbände hätten mittlerweile keine Bedenken aus Küstenschutzgründen mehr gegen die Elbvertiefung, so dass Niedersachsen nun seine Zustimmung geben könnte. (dpa/sv)
Zukunft des Hamburger Hafens im Nebel – Ausbau geht weiter
Weder der verantwortliche Wirtschaftssenator noch der Marketing-Chef des größten deutschen Seehafens wollten eine Prognose über die Entwicklung des Hafenumschlags in diesem Jahr abgeben