Weltschifffahrt: 2008 wird ein Jahr des Wandels, aber nicht der Wende

04.12.2008 14:19 Uhr
Arndt
VDR-Chef Michael Behrendt (Bild: Arndt)
© Foto: Arndt

Deutsche Reeder wollen bis Ende 2008 ihr Rückflaggungsversprechen einlösen

Hamburg. Die deutschen Reeder halten Wort: „Das 2006 auf der 5. Nationalen Maritimen Konferenz abgegebene Versprechen, 500 Schiffe unter der deutscher Flagge im internationalen Verkehr vorzuhalten, wird erreicht“, bestätigte Michael Behrendt, Vorsitzender des Verband Deutscher Reeder (VDR), am Donnerstag in Hamburg bei der Vorlage des Jahresberichtes. Für Behrendt, hauptberuflich Vorstand bei Hapag-Lloyd, war es der erste Auftritt als VDR-Vorsitzender. Er hatte am 12. November das Amt von Frank Leonhardt übernommen, der über zwölf Jahre an der Spitze des Traditionsverbandes stand. Bis jetzt wurden 490 Schiffe zurückgeflaggt, berichtete Behrendt. Die restlichen würden bis Jahresende folgen, zeigte er sich zuversichtlich. Damit hätten die deutschen Reeder einen ganz entscheidenden Beitrag dafür geleistet, einen erfolgreichen Eckpfeiler der deutschen Schifffahrtspolitik zu erhalten, den Fortbestand der Tonnagesteuer. Schon jetzt arbeite der VDR daran, dass das nächste, im Rahmen des Maritimen Bündnisses festgelegte Etappenziel erreicht werden kann: die Rückflaggung von weiteren 100 Schiffen auf dann 600 Einheiten unter Schwarz-Rot-Gold. Allerdings hänge sehr viel davon ab, wie sich die Rahmenbedinungen in der Weltschifffahrt entwickelten. Denn für die Schifffahrtsindustrie als Ganzes stellt 2008 aus VDR-Sicht „ein Jahr des Wandels, aber nicht der Wende dar“, formulierte es Behrendt. Die Finanzmarktkrise habe jetzt auch die Schifffahrt „erreicht“. Sowohl die Weltwirtschaft als auch der Welthandel würden sich 2008 abschwächen. Bis zum Herbst 2009 stelle sich die Schifffahrtsindustrie auf ein härteres Marktumfeld ein. Behrendt. „Mittel- bis langfristig gibt es jedoch keinen Zweifel an einer weiteren positiven Entwicklung.“ In den verschiedenen Marktsegmenten der Schifffahrt habe es vor allem bei den Zeitchartermärkten für kleine und mittlere Tonnage inzwischen kräftige Einbußen gegeben. Behrendt bezifferte die Charterratenrückgänge bei gut 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kräftig geschüttelt wurden die Massengutschifffahrt, deren Hauptaufgabe der Transport von Rohstoffen ist. Das „historische Rekordniveau“ für Bulkerraten im Frühjahr sei einem massiven Einbruch bei den Raten gewichen. Zu den großen Sorgenkindern des laufenden Jahres gehört für die Schifffahrt die Entwicklung der Piraterie. Für Behrendt müsste dieser Vorgang eher mit „Kriminalität“ umschrieben werden. Es seien mittlerweile „unhaltbare Zustände“ eingetreten, allen voran am Horn von Afrika. Von den 30 im laufenden Jahr in diesem Seegebiet entführten Schiffen seien auch drei deutsche Frachter gewesen. Sie und ihre Besatzungen kamen nur nach erheblichen Zahlungen und wochenlangen, zermürbenden Verhandlungen wieder frei. Behrendt forderte namens des VDR erneut die deutsche Politik zum Handeln auf. Die Deutsche Marine müsse endlich ein Mandat erhalten, dass es ihr erlaube, im Zusammenwirken mit den Marinen anderer Staaten der Piraterie Einhalt zu gebieten. Ausdrücklich lehnte Behrendt es ab, über die Bewaffnung von Bordpersonal auf Handelsschiffen nachzudenken, die in diesem Seegebiet fahren. (eha)

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