25.11.2009 | Transport + Logistik

Weitere MAN-Vorstände auf der Kippe

München. Nach dem Rückzug von MAN-Chef Håkan Samuelsson müssen im Zusammenhang mit der Schmiergeld-Affäre weitere Vorstände des Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzerns um ihren Job bangen. In Branchenkreisen wurden am Mittwoch entsprechende Berichte der „Süddeutschen Zeitung“ und des „Handelsblatts“ (beide Mittwoch) bestätigt. Namentlich nannten beide Blätter MAN-Finanzvorstand Karlheinz Hornung sowie Anton Weinmann, den Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte. Auch ihnen würden Versäumnisse bei der Aufarbeitung der Korruptionsaffäre angelastet, hieß es. Ein MAN- Sprecher sprach von „Spekulationen“, die er nicht kommentieren wolle.

MAN kämpft seit Mai mit der Schmiergeld-Affäre. Die Staatsanwaltschaft München geht dem Verdacht nach, dass im Lkw- und Bus-Geschäft Verkäufer von MAN Bestechungsgelder an Mitarbeiter von Kunden zahlten, um den Verkauf anzukurbeln. Weit über 100 Beschuldigte sind im Visier der Behörde, gegen Samuelsson wird aber nicht ermittelt.

In einem Brief an die Beschäftigten erklärte der Schwede, ihm sei die Entscheidung nicht leichtgefallen, sein Amt aufzugeben. Er wolle aber dazu beitragen, „dass sich die MAN-Gruppe wieder zügig sowie voll und ganz ihren Kerngeschäften und ihrer weiteren Unternehmensentwicklung widmen kann“, hieß es in dem Schreiben, das auch der „Augsburger Allgemeinen“ (Mittwoch) vorlag. Den Mitarbeitern dankte Samuelsson für ihr Engagement. „Wir haben gemeinsam beachtliche Erfolge erzielt, MAN weiterentwickelt und in dieser schwierigen Zeit in eine gute Ausgangsposition gebracht.“

Samuelsson-Rücktritt: Welche Rolle spielte Ferdinand Piëch?

Vor allem Weinmann gilt als ausgewiesener Kenner der Branche und des Unternehmens. Mit ihm und Hornung stehen zwei weitere Top-Manager des Konzerns im Fokus. „Über beide Namen wird diskutiert im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre, beide sollen gehen“, hieß es in den Branchenkreisen. Auch mögliche Nachfolger seien bereits im Gespräch.

Derweil gibt es weitere Spekulationen über die Rolle von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch beim Abgang Samuelssons. VW ist mit knapp unter 30 Prozent größter Aktionär bei MAN und hält zudem mehr als 70 Prozent der Stimmrechte am schwedischen Lastwagenbauer Scania. Samuelsson war mit seinem eigenen Versuch, Scania zu übernehmen, am Widerstand auch aus Wolfsburg gescheitert. Mit seiner Ablösung hat Piëch nun freie Bahn, die Allianz zwischen MAN, VW und Scania voranzutreiben. Nach „SZ“-Informationen will der VW-Patriarch die beiden Lkw-Hersteller allerdings nicht fusionieren, sondern wie Audi oder Skoda als eigenständige Marken an Volkswagen anbinden, so wie es mit Scania auch bereits geschehen sei. Ein Mitglied des VW-Vorstands könnte dann die Zuständigkeit für die beiden Hersteller bekommen, hieß es in dem Bericht.

Auch das „Handelsblatt“ berichtete, VW habe bereits sehr konkrete Pläne, wie eine Zusammenarbeit der beiden Nutzfahrzeughersteller aussehen könnte. „Volkswagen will das Baukastensystem aus dem Pkw- Bereich in das Lkw-Geschäft übertragen“, sagte ein Beteiligter der Zeitung. Konkret heiße das: Bestimmte Kompetenzzentren entwickeln große Komponenten für alle drei Lkw-Marken. Denkbar seien gemeinsame Achsen, Getriebe und Motoren. Zudem solle der Einkauf gebündelt und die IT-Systeme vereinheitlicht werden, die Marken MAN, Scania und VW blieben dabei getrennt.

Piëch über Vertraute eingeschaltet

Laut „SZ“ ist Piëch in die Aufklärung der Schmiergeld-Affäre nach Angaben aus MAN-Kreisen über zwei Vertraute eingeschaltet. Piëchs Büroleiter Jörg Astalosch und Matthias Erb, der ebenfalls in dem Büro arbeite, säßen bei wichtigen Gesprächen mit den vom MAN-Aufsichtsrat beauftragten Anwälten mit am Tisch. In Piëchs Auftrag kümmerten sie sich darum, dass den Korruptionsdelikten und möglichen Verfehlungen oder Mängeln in der Konzernspitze konsequent nachgegangen werde. Der Aufsichtsrat stehe geschlossen hinter dem harten Vorgehen gegen den MAN-Vorstand, hieß es. (dpa)

 
Anzeige
 

Weitere Informationen

Kommentar verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der VerkehrsRundschau veröffentlicht. Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter dem Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

 

25.11.2009Artikelinformationen

Social Networking
Schlagworte
Bildnachweis

VerkehrsRundschau mobil

Gefahr/gut-Umfragegewinnspiel

Nehmen Sie jetzt an unserer kurzen Umfrage zur IMO Erklärung teil.

Sichern Sie sich einen von drei BestChoice-Einkaufsgutscheinen im Wert von 50,-€, einlösbar bei 200 Partnern in über 25.000 Filialen.

[Jetzt teilnehmen]

Beliebteste Meldungen

Beliebteste Galerien

Nachwuchsinitiative

Hallo Zukunft!

VerkehrsRundschau, Trucker und Gefahr/gut vermitteln zwischen Schülern, Lehrern und Unternehmen für eine Zukunft in der Logistik [Mehr Infos über Ausbildung in der Logistik]

Neueste Kommentare unserer Leser

  • 21.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Glastaxi meint: Die dänischen Spediteure dürfen sich jetzt nicht aufregen, denen konnte es doch nicht wild und...[mehr…]
  • 19.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Jürgen Auth meint: Es müsste folgende Bestimmung bei Kabotage eingeführt werden: Den Fahrern aus den Billiglohnländern...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Transport + Logistik
    Gefährlicher Spatenstich für Bayerns Innenminister
    Deka 1803 meint: Was sagt uns dies: Von Dingen, von denen man keine Ahnung hat, sollte man tunlichst die Finger...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Recht + Geld
    Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz für selbstständige Fahrer
    Thomas Flesch meint: Darf ich jetzt länger fahren?! Laut EU-Recht maximal 90 Stunden Lenkzeit in 2 Wochen und nach diesem...[mehr…]
  • 17.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    hans-ulrich Höfler meint: Als Betroffener kann ich dem nur beipflichten. Wer die Augen im Transportverkehr weit genug öfnnet,...[mehr…]

Twitter: vr_online

Der Twitter-Kanal der VerkehrsRundschau

vr_online auf Twitter abonnieren und unsere Redakteure halten Sie auf dem Laufenden - blitzschnell und kostenlos!
[Follow us!]

Fahrverbotskalender

Europäische Fahrverbote im Überblick

Unser Fahrverbotskalender gibt einen Überblick über die LKW-Fahrverbote in mehr als 25 europäischen Ländern. Der Kalender erscheint quartalsweise als Zugabe zur Printausgabe, er kann aber auch gesondert bezogen werden. Bestellen können Sie den Kalender außerhalb des Abos zum Preis von 9,80 Euro zzgl. Versand und Mehrwertsteuer unter 089/20 30 43 11 00 (Fax -2100) oder per Mail: vertriebsservice@springer.com.