02.06.2009 | Transport + Logistik

Weiter schlechte Stimmung bei Logistikern

Berlin. Nach dem sehr kräftigen Einbruch zu Jahresbeginn zeigt sich die deutsche Logistikkonjunktur im Frühjahr in noch schwächerer Verfassung. Dies gab die Bundesvereinigung Logistik (BVL) bei der Präsentation des BVL/DIW-Logistikindikator für das zweite Quartal 2009 bekannt. Demnach gab der Indikator in der Maibefragung gegenüber dem Vorquartal um gut 7 Punkte nach (Rückgang um knapp zehn Prozent) und liegt aktuell mit nur noch bei 68,2 Punkten mehr als 30 Punkte vom konjunkturellen Normalwert von 100 entfernt.

Der freie Fall, der noch im Winter zu beobachten war, wird laut DIW nicht nicht fortgesetzt. Zwar fällt die Lagebeurteilung insgesamt nach einem kräftigen Rückgang um 30 Prozent auf 49,9 Punkte erneut deutlich schlechter aus, jedoch haben sich die Erwartungen aufgehellt und konnten um knapp neun Prozent zulegen. Trotzdem sieht laut Erhebung die Mehrheit der Befragten den kommenden 12 Monaten überwiegend pessimistisch entgegen. Die wesentlichen Triebkräfte der Logistikkonjunktur rühren – anders als noch im Vorquartal – von der Anwenderseite, also von Industrie und Handel, her. Für diese hat sich das Logistikklima deutlich um 14 Prozent eingetrübt, während sich der – insgesamt deutlich schlechtere – Wert für die Logistikdienstleister im Vorquartalsvergleich nahezu stabilisiert hat.

Der Absturz der Logistikkonjunktur binnen eines halben Jahres hat deutliche Spuren bei der Kapazitäts- und Beschäftigungsplanung der Logistikdienstleister hinterlassen, die in beiden Bereichen zum Großteil Kürzungen planen.

BVL-Vorsitzender Raimund Klinkner sieht dennoch positive Zeichen: „Die Erwartungen, die in den letzten drei Quartalen stets rückläufig waren, haben sich wieder aufgehellt und konnten um neun Prozent zulegen.“ Die Talsohle sei noch nicht erreicht, weder auf der Anwender-, noch auf der Anbieterseite, aber die Erwartungen geben Anlass zur Hoffnung, betonte der BVL-Chef.

Diese markant unterschiedlichen Aussagen der Logistiker in Industrie und Handel auf der einen und den Dienstleistern auf der anderen Seite lassen laut Klinkner interessante Schlüsse zu. „Die Dienstleister haben offenbar in den beiden ersten Quartalen den rezessionsbedingten Druck zu spüren bekommen: Schlechte Auftragslage und Kapazitätsauslastung, demzufolge Abbau von Sachkapazitäten und Personal. Interne Strukturen wurden akribisch und mit Erfolg umgestaltet. Nun wird eine langsame Normalisierung der wirtschaftlichen Situation erwartet. Industrie und Handel dagegen stellen sich offenbar erst jetzt darauf ein, Anpassungen in ihren Logistikbereichen vorzunehmen.“

Die von der Bundesregierung beschlossenen Hilfspakete werden von beiden Seiten des deutschen Logistikmarktes unterschiedlich beurteilt. Während unter den Logistikdienstleistern eine Mehrheit der Befragten (57 Prozent) in den beschlossenen Maßnahmen eine substantielle Hilfe in der gegenwärtigen Konjunkturkrise sieht, ist unter den Anwendern in Industrie und Handel fast derselbe Anteil (59 Prozent) gegenteiliger Ansicht.

Der BVL/DIW Logistik-Indikator wird seit Herbst 2006 alle drei Monate vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für BVL berechnet. (sb)

 
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