Weg frei für Beschäftigungspakt bei Nordic

27.05.2010 11:45 Uhr
Demonstrant, Wismar, Warnemünde, Nordic Yards, Wadan, IG Metall
Mehrere Hundert Werftarbeiter aus Wismar und Warnemünde demonstrierten im vergangenen Jahr für den Erhalt der Werft
© Foto: ddp/Danny Gohlke

Nach dem Ende der Nordic-Transfergesellschaften sollen 700 unbefristete Stellen entstehen / Trotzdem werden viele Schiffbauer ihren Job verlieren

Rostock/Wismar. Als der Pakt endlich besiegelt ist, können sich viele Schiffbauer am Warnemünder Werkstor noch immer nicht so recht über die neuen Job-Garantien freuen. Dass nach dem Ende der Nordic-Transfergesellschaften zum 1. August zunächst 700 unbefristete Stellen geschaffen werden sollen, stößt zwar bei fast allen auf Zustimmung. Weil gerade einmal 100 Verträge auf Rostock entfallen, hält sich die Zuversicht am Donnerstag jedoch in Grenzen. Kurz zuvor haben 600 Mitarbeiter bei einer Belegschaftsversammlung zusammen mit rund 600 Kollegen grünes Licht für den Beschäftigungspakt der IG Metall gegeben.

"Die Stimmung ist eben verhalten", sagte auch Harald Ruschel, früherer Betriebsrat der einst drittgrößten deutschen Werften. Das vergangene Woche zwischen der Gewerkschaft und Werfteigner Witali Jussufow ausgehandelte Abkommen gilt dennoch als wichtiges Etappenziel: "Mit dem Pakt setzen wir ein Signal für die Banken." Angesichts der anhaltenden Hängepartie um die Finanzierung neuer Aufträge soll der Mut zum Abschluss neuer Arbeitsverträge zeigen, dass Jussufow weiter an die Zukunft des Unternehmens glaubt.

Falls es den krisengeschüttelten Nordic Yards gelingt, die immer wieder in Aussicht gestellten Bestellungen für Offshore-Anlagen oder Spezialschiffe an Land zu ziehen, will der russische Werftboss noch einmal drauflegen. In Abhängigkeit von der Auftragslage sollen in Warnemünde 400 weitere Stellen und in Wismar 100 zusätzliche Jobs angeboten werden - ebenfalls unbefristet.

Fast die Hälfte der 2009 beschäftigten Schiffbauer könnten ihren Job verlieren 

Kehrseite der Medaille: Hält die Flaute an, sind selbst die vereinbarten Zahlen nicht gesichert. "Der Pakt ändert leider nichts daran, dass einige Leute arbeitslos werden", erklärt Daniel Friedrich, der die Verhandlungen mit Jussufow für die IG Metall führte. Dabei ist die Formulierung "einige" noch untertrieben: Vor der Insolvenz der damaligen Wadan Yards im Juni 2009 waren rund 2400 Schiffbauer bei den Werften beschäftigt; die auftragsgebundenen Angebote vom Donnerstag beziehen sich bestenfalls auf die Hälfte. Fernziel blieben mindestens 1600 Stellen, beeilt sich Friedrich zu versichern. "Wir können Nordics Probleme nicht lösen. Aber nun ist der Weg frei dafür, dass sie gelöst werden können."

Jussufow, die Banken und die Politik müssten endlich handeln, mahnen Gewerkschaft und Ex-Betriebsrat. Auch der Wirtschaftsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Schulte, erneuerte seinen Appell: "Nun muss sich (...) Wirtschaftsminister Brüderle bewegen und sich für die restliche Finanzierung einsetzen." Jussufow hatte zu Wochenbeginn 40 Prozent der Anzahlung für einen 100-Millionen-Euro-Auftrag zum Bau eines russischen Großtankers auf privates Risiko hin abgesichert.

Es herrscht weiter Ungewissheit, wer bei Nordic bleiben darf

Doch aus Sicht zahlreicher Ex-Wadan-Kollegen, die jetzt noch für maximal zwei Monate in den Transfergesellschaften bleiben können, ist das Vertrauen bereits verspielt. "Es gibt die Jobs ja erst, wenn es auch wirklich Aufträge gibt", sagt der 27-jährige Stefan Brust, der sich inzwischen auch bei der Marine beworben hat. Wer genau bis Mitte Juni den erlösenden Brief mit einer Einladung zur "Jobbörse" bekommt, sei unklar, erklärt der junge Schiffbauer. Diejenigen, die nicht bei Nordic unterkommen können, sollen bis zu 1200 Euro an Überbrückungs- und Mobilitätshilfen erhalten. Auch Brust bangt: "Es herrscht weiter Ungewissheit. Etwas zu kriegen, wäre wie ein Sechser im Lotto."

Sicher scheint dagegen, dass Jussufow - unabhängig vom Schicksal seiner künftigen oder potenziellen Mitarbeiter - durch den Deal mit der Gewerkschaft von einer saftigen Vertragsstrafe verschont bleiben dürfte. Bei der Werftübernahme vor zehn Monaten hatte der Russe Ausgleichszahlungen zugesagt, falls er die versprochenen 1200 Stellen in Wismar und Warnemünde nicht halten kann. "Die IG Metall würde befürworten, dass er aus der Strafe rauskommt", meint Ruschel. Ob es wirklich dazu kommt, müsse aber der Gläubigerausschuss entscheiden. (dpa)

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