Wadan-Werften melden Inzolvenz an

05.06.2009 12:10 Uhr
Wadan-Werften
Die Wadan-Werften sind der größte Schiffbauer in Mecklenburg-Vorpommern
© Foto: ddp

Rund 2700 Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern bangen um ihren Arbeitsplatz

Wismar/Schwerin. Nach einer monatelangen Zitterpartie um die Zukunft des Unternehmens hat Mecklenburg-Vorpommerns größter Schiffbauer am Freitag Insolvenzanträge gestellt. Wie der Leiter des Schweriner Amtsgerichts, Peter Winterstein, sagte, gingen insgesamt fünf Anträge der Wadan-Gruppe für die betroffenen Einzelfirmen ein. Die um ihre Jobs bangenden rund 2700 Beschäftigten an den deutschen Wadan-Standorten in Wismar und Rostock-Warnemünde sollten am Nachmittag auf Belegschaftsversammlungen über die Situation informiert werden. Wie Winterstein sagte, wird es vorrangige Aufgabe des Insolvenzverwalters sein, Produktion und Arbeitsplätze zu sichern. Die Schiffbaubetriebe sind seit einem Jahr mehrheitlich im Besitz der russischen Investmentgesellschaft FLC West. Neue Aufträge hat es seit Februar 2008 nicht mehr gegeben. Auf den Werften werden derzeit zwei Großfähren gebaut. Als Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise bekommen Werften nur noch unter größten Anstrengungen Kredite für die üblich Bauzeitfinanzierung. Banken verlangen zusätzliche Sicherheiten. Dafür sprang bei Wadan der Staat ein. Am Donnerstagabend hatte der Chef des Aufsichtsrats der Wadan Yards Group, Andrej Burlakow, bei einem Krisentreffen in Schwerin von der Landesregierung weitere Staatshilfen verlangt. Diese wurden aber abgelehnt. Land und Bund hätten alles getan, um die Werften zu unterstützen. „Nun müssen die Eigner ihre Zusagen einlösen“, betonte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Erst vor zwei Wochen gab die Bundesregierung grünes Licht für eine weitere Bürgschaft zur Absicherung eines 40-Millionen-Euro-Kredits. Insgesamt sind Wadan mit staatlicher Unterstützung Kredite im Umfang von mehr als 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Damit sollte die Finanzierung bestehender Schiffbauaufträge sichergestellt werden. Ein Teil der Mittel ist jedoch noch nicht geflossen. Medienberichten zufolge hatte sich Burlakow bei den Gesprächen mit dem Land geweigert, den geforderten Eigenanteil von insgesamt 5 Millionen Euro zu übernehmen. Noch Ende Mai hatte der Chef des Aufsichtsrats für die nahe Zukunft Aufträge für Schiffsneubauten angekündigt. Darüber hinaus werde es nicht nur Bestellungen aus Russland, sondern auch aus anderen Ländern geben. Derzeit hat Wadan noch zwölf Schiffe in seinem Auftragsbestand. Die letzte Auslieferung ist für das dritte Quartal 2010 geplant. Für einige Produktionsbereiche war bereits Kurzarbeit angemeldet worden. Wegen der weltweit rückläufigen Frachtraten werden kaum noch neue Hochseefrachter, auf die Wadan spezialisiert ist, bestellt. (dpa)

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