27.10.2009 | Transport + Logistik

Versammlung mit mehr als 1000 Post-Mitarbeitern

Koblenz. Mehr als 1000 Mitarbeiter der Deutschen Post sind am Dienstag in Koblenz zusammengekommen, um über die Tarifrunde zu diskutieren. Schwerpunkt sollte laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die drohende Fremdvergabe von Aufträgen in der Postzustellung sein. Wenn in den kommenden Verhandlungen mit der Post keine Einigung erzielt werde, „dann werden wir in einen Streik gehen und das werden wir sehr massiv machen“, sagte Rolf Bauermeister für den Verdi- Bundesvorstand. „Unser Ziel ist nicht, dass wir kurz vor Weihnachten die Postkarte oder das Paket verhindern. Wir wollen das möglichst schnell durchziehen.“ Die Friedenspflicht endet am 6. November.

Mit dem derzeit gültigen Tarifvertrag, der Ende 2009 ausläuft, wird die Fremdvergabe von Aufträgen auf Pakete begrenzt. Die Post hatte zuletzt ins Spiel gebracht, auch Teile der Briefzustellung an andere Firmen auszulagern. Das will Verdi verhindern. „Es geht aber nicht nur darum, diese Arbeitsplätze im Laden zu halten“, sagte Bauermeister. Die Jobs müssten auch „vernünftig bezahlt“ werden.

Die Post macht nach Gewerkschaftsangaben ihren Verzicht auf die Fremdvergabe von verlängerten Arbeitszeiten und einer Verschiebung der zum Dezember tariflich vereinbarten Lohnerhöhung von drei Prozent abhängig. „Diese Tarifverträge haben jedoch eine längere Laufzeit und sind nicht gekündigt“, sagte Bauermeister. Er sprach von „Erpressung“ und warf der Post vor, die Krise zu nutzen, „um Zugeständnisse und Kosteneinsparungen zu erzielen“. Die Post sei kein Sanierungsfall und der Briefdienst sei immer noch ein kerngesunder Unternehmensbereich.

Baumeister: „Die Leute knüppeln ohne Ende“

Die Post will die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich von 38,5 auf 40 Stunden erhöhen. In der Zustellung, im Fahrdienst und in den Briefzentren werde bereits am Limit gearbeitet, sagte Bauermeister. „Die Leute knüppeln ohne Ende.“ Die Stimmung sei explosiv. In Koblenz hätten alle Mitarbeiter Zukunftsängste, sagte Peter Höfer von der örtlichen Verdi-Betriebsgruppe. „Wenn wir alle Maßnahmen zusammenzählen, die das Unternehmen beabsichtigt, dann bleibt keiner mehr hier, dann bleibt kein Stein auf dem anderen.“ In Koblenz sind rund 3000 Menschen bei der Post beschäftigt.

Zwei Tarifrunden waren bislang ergebnislos abgebrochen worden, das nächste Treffen findet an diesem Mittwoch in Berlin statt. In der Brief- und Paketzustellung der Post arbeiten laut Verdi bundesweit rund 180.000 Menschen. In Rheinland-Pfalz sind es etwa 8000.

Die Post hatte angekündigt, dass wegen der Versammlung in Koblenz die Postzustellung im nördlichen Rheinland-Pfalz am Dienstag beeinträchtigt werde. In Orten, deren Postleitzahlen mit den Zahlen 54 oder 56 beginnen, könne es Verzögerungen und Ausfälle geben. Ausstehende Lieferungen würden spätestens bis zum Mittwoch zugestellt, hieß es bei der Post. Bereits am Montag waren wegen einer Betriebsversammlung in Ludwigshafen in der Pfalz viele Briefe mit Verspätung oder gar nicht ausgetragen worden. (dpa)

 
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