14.09.2009 | Transport + Logistik

Verdi warnt Post vor Konflikt in Briefsparte

Berlin. Die Gewerkschaft Verdi warnt die Deutsche Post vor einem Tarifkonflikt in der Briefsparte. Man werde sich gegen den Versuch des Konzernvorstands wehren, geplante Kostensenkungen auf dem Rücken der Arbeitnehmer auszutragen. Dies sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis am Montag in Berlin. Noch immer mache die Post mit dem Briefgeschäft große Gewinne. Da sei es besonders unverständlich, dass das Unternehmen geltende Tarifverträge permanent infrage stelle. „Die Deutsche Post hat einen Marktanteil von 90 Prozent. Ich erwarte von einem Branchenführer ein entsprechendes Lohnniveau“, sagte Kocsis gegenüber der VerkehrsRundschau.

Verdi will auch die Vergabe von Briefzustellbezirken der Post an andere Firmen verhindern. Dies ist bis Jahresende noch vertraglich ausgeschlossen, danach nicht mehr. Die Gewerkschaft dringt auf einen neuen Rationalisierungsschutz-Tarifvertrag, um die Arbeitsbedingungen und das Lohnniveau der Beschäftigten langfristig zu sichern. Verdi hat den bisherigen Vertrag gekündigt, „um handlungsfähig zu sein“. Die Friedenspflicht aus diesem Vertrag endet am 6. November.

Das Briefgeschäft leidet unter der Wirtschaftskrise und darunter, dass immer mehr E-Mails verschickt werden. Die Post will deshalb die für Dezember 2009 vereinbarte Lohnerhöhung um drei Prozent verschieben, die Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden auf 40 Stunden erhöhen und für neue Mitarbeiter nur noch niedrigere Einstiegslöhne zahlen.

Verdi-Vize Kocsis warf dem Management geschäftsschädigendes Verhalten vor: „Die Post redet den Brief, ihr ureigenes Produkt, tot.“ Dies sei nicht der richtige Weg, sich einem Strukturproblem – dem Umstieg auf E-Mails – zu stellen, das zudem nicht neu sei. Alles in allem sei die Post „kein Sanierungsfall“. Im ersten Halbjahr habe die Briefsparte mehr als eine halbe Milliarde Euro Gewinn gemacht.

Eine Postsprecherin entgegnete, das Unternehmen erwarte künftig Verluste, wenn es nicht jetzt gegensteuere. Die Sendungsmengen würden auch nach der Krise weiter zurückgehen. „Deshalb müssen wir jetzt, wo wir noch profitabel sind, eine Lösung suchen“, sagte sie. „Jetzt ist das noch sozialverträglich möglich.“ Die Post habe aber noch nie einen Tarifvertrag gebrochen, „und wir werden das auch künftig nicht tun“, fügte sie hinzu. (dpa/ag)

 
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