24.06.2009 | Transport + Logistik

VDA kritisiert zögerliche Kreditvergabe an Unternehmen

Ingolstadt/München. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat die nach wie vor zögerliche Kreditvergabe vieler Banken speziell an Zulieferbetriebe bemängelt. „Unsere Unternehmen haben mit der Kreditversorgung zu kämpfen, erfahren Kürzungen ihrer Kreditlinien und Verteuerungen der Konditionen“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Mittwoch auf dem Kongress „Zulieferer Innovativ“ in Ingolstadt. Gerade in der Krise mit Umsatzeinbußen von 30 bis 40 Prozent seien aber eine Ausweitung der Kredite notwendig, um den Betrieb am Laufen zu halten und sich für die Zukunft zu wappnen. „Da ziehen manche Banken einfach nicht in genügender Weise mit.“

Ähnlich schwierig sei die Lage bei den Warenkreditversicherungen, mit denen sich Zulieferer gegen das Risiko unbezahlter Forderungen absichern, sagte Wissmann. Hier dürfe die Versicherungswirtschaft kein pauschal negatives Urteil über die gesamte Branche fällen, sondern müsse jeden Fall einzeln beurteilen. „Wir begrüßen deshalb, dass die Bundesregierung im Rahmen des Bürgschaftsprogramms nun auch einen Schutzschirm für die Warenkreditversicherer erwägt.“

Kreditklemme macht NFZ-Herstellern zu schaffen

Unter der unzureichenden Kreditversorgung leide auch die Nutzfahrzeugindustrie, erklärte Wissmann. Hier sei die Lage geradezu dramatisch. Im bisherigen Jahresverlauf sei die Ausfuhr von Nutzfahrzeugen bis sechs Tonnen um 65 Prozent, die von schweren Nutzfahrzeugen um 68 Prozent gesunken. Weiterhin blieben die Neuzulassungen von Transportern in Deutschland bis Mai um 28 Prozent hinter dem Vorjahresvolumen zurück. In der schweren Klasse über sechs Tonnen sei der Absatz im bisherigen Jahresverlauf um 30 Prozent gesunken.

„Derzeit sorgt eine gravierende Investitionsunsicherheit in der Speditions- und Logistikbranche für eine mangelnde Marktnachfrage auf dem Nutzfahrzeug-Markt“, sagte Wissmann. Dies betreffe in erster Linie die Geschäftsbeziehungen zwischen den einzelnen Unternehmen. Nur in einem verlässlichen Umfeld mit klaren Regeln und planbaren Risiken seien die Unternehmen bereit, längerfristige Investitionsentscheidungen zu treffen. „Hier besteht aus Sicht der Automobilindustrie weiter großer politischer Handlungsbedarf“, sagte VDA-Chef.

In den vergangenen Monaten sind zahlreiche Unternehmen der Branche wegen der schlechten Nachfrage in Schieflage geraten oder mussten sogar Insolvenz anmelden. Auch Großkonzerne sind hart getroffen. Bei Continental werden in der Autozulieferer-Sparte bis Ende 2010 mehr als 2000 Stellen in Deutschland abgebaut, der fränkische Zulieferer Leoni hatte Mitte Mai angekündigt, weltweit rund 11 000 von 53 000 Stellen streichen zu wollen. (ag/dpa)

 
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