07.05.2009 |

Tiefensee: "Masterplan ist Schlüssel zur Bewältigung des Verkehrs der Zukunft"

Wie wirkt sich nach Ihrer Einschätzung die weltweite Wirtschaftskrise auf die Konjunktur des deutschen Transport- und Logistikmarktes aus? Welche Chancen sehen Sie trotz Krise?

Tiefensee: "Von der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist diese Branche angesichts wegbrechender Transportaufträge besonders betroffen. Durch die beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung werden kurzfristig Bauaufträge ausgelöst, dies nützt auch dem Transport- und Logistiksektor. Wir investieren in diesem und im kommenden Jahr soviel Geld wie nie zuvor in die Verkehrsinfrastruktur, auch beim Kombinierten Verkehr. Es geht um die Modernisierung der Hinterlandanbindungen unserer Seehäfen. Dazu kommt der Ausbau der Zufahrten von der Seeseite, die Anbindung und Vernetzung unserer zentralen Flughäfen und die Förderung der Anwendung moderner und effizienter Umschlagstechnologien. Und: bis Ende 2009 werden insgesamt 3.000 neue LKW-Parkplätze an den Autobahnen entstehen. All diese Maßnahmen sind in die Zukunft gerichtet und kommen der Transport- und Logistik-Branche langfristig zugute.


Mit welchen Einschnitten ist bei der Umsetzung des "Masterplans Güterverkehr und Logistik" auch unter Berücksichtigung der finanziellen Einbußen durch den verschobenen Börsengang der Deutschen Bahn AG zu rechnen?

In meinem Haushalt stehen 2009 und 2010 jeweils etwa zwölf Milliarden Euro für Verkehrsinvestitionen zur Verfügung. Mit diesen Rekordsummen sichern wir die Umsetzung des Masterplans. Wir beseitigen Engpässe in der Infrastruktur, stärken den Lärm- und Umweltschutz und schaffen noch bessere Arbeitsbedingungen in der wichtigen Transport- und Logistikbranche. Alle 35 konkreten Maßnahmen sind inzwischen in der Umsetzung. Wir wollen, dass gerade die russischen, asiatischen und südamerikanischen Unternehmen mit ihrem großen Potenzial ihre Transporte nach Europa noch stärker über Deutschland abwickeln. Um Funktion zu stärken, haben wir die Vermarktungsinitiative "Germany - Gateway to Europe" gegründet.

Diese Initiative wirbt durch den Logistics Council Germany (LCG) im Ausland auf Messen und mit vielen anderen Veranstaltungen für den Logistikstandort Deutschland.

Auch ohne die Teilprivatisierung der Mobilitätssparte der Deutschen Bahn erreichen wir unsere Ziele. Wir bauen Eisenbahnknoten und Umschlagbahnhöfe aus. Alle Bahnfahrer werden sich freuen, dass bundesweit mehr als 1.500 Bahnhöfe noch kundenfreundlicher werden. Auch damit stärken wir den Schienenverkehr.


Welches sind Ihre Pläne, um den bis 2020 nach Prognosen um ein Drittel steigenden europäischen Güterverkehr in Deutschland unter umwelt- und energietechnischen Aspekten in den Griff zu bekommen?

Der Masterplan Güterverkehr und Logistik ist der Schlüssel zur Bewältigung des Verkehrs der Zukunft. Wir bauen die Infrastruktur konsequent aus und werden in Zukunft alle Verkehrsträger nach ihren Stärken einsetzen. Der LKW ist auf kurzen Distanzen das flexibelste Verkehrsmittel, Schiene und Wasserstraße haben auf langen Strecken ihre Vorteile. Deswegen bringen wir den Kombinierten Verkehr voran. Mit innovativen technischen Maßnahmen reduzieren wir Schadstoffe, CO2- und Lärmbelastung. Und natürlich müssen wir noch besser werden, wenn es darum geht, vorhandene Kapazitäten optimal auszunutzen und durch Synergien auch Verkehr zu vermeiden.


Wobei kann hier Telematik hilfreich sein, und welche Maßnahmen auf diesem Gebiet unterstützt Ihr Ministerium?

Die Verkehrstelematik nimmt bei der wirtschaftlichen und umweltgerechten Bewältigung des Verkehrs der Zukunft einen wichtigen Platz ein. Mein Haus fördert Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Bewährt hat sich der Digitale Verkehrskanal Traffic Message Channel (TMC), mit dem wir einen besseren Verkehrsfluss erreichen. TMC wurde vom Bundesverkehrsministerium und den Bundesländern gemeinsam mit den Rundfunkanstalten, Automobilclubs und der Industrie initiiert. TMC wird von 14 Rundfunksendern in 27 Programmen ausgestrahlt. Derzeit treiben wir die Entwicklung des Nachfolgesystems voran. Bei der fahrzeugbezogenen Telematik begleiten wir die eSafety-Initiative der Europäischen Union. Unser Ziel ist es, die Zahl der Verkehrstoten weiter zu reduzieren und den Verkehr insgesamt flüssiger und effizienter abzuwickeln.


Welche Möglichkeiten haben und ergreifen Sie, um die einheimische Binnenschifffahrt zu schützen und verstärkt in die Transportkette gerade auch zu den Nordseehäfen einzubinden?

Mit der Umsetzung des Masterplans Güterverkehr und Logistik setzen wir auf die bestmögliche Vernetzung aller Verkehrsträger. Dabei geht es auch um eine noch bessere Auslastung der Binnenwasserstraßen. Das erste nationale Hafenkonzept, das wir soeben im Bundeskabinett beschlossen haben, wird dem Transport auf umweltfreundlichen Binnenschiffen Rückenwind geben.


Können die Vorhaben zum Aufbau des Transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V) trotz der veränderten finanziellen Rahmenbedingungen wie geplant verwirklicht werden oder werden ab 2009 andere Prioritäten gesetzt?

Die deutschen Vorhaben des transeuropäischen Netzes, die auch gleichzeitig Bestandteil der deutschen Bundesverkehrswegeplanung sind, werden je nach Bedarf und den zur Verfügung stehenden Finanzmittel stufenweise umgesetzt. Es gibt keinen Grund, in diesem Jahr über eine neue Prioritätensetzung nachzudenken.


Welche Rolle können Messen wie die transport logistic gerade in solchen schwierigen Zeiten für die Branche spielen?

Wir müssen uns jetzt auf die Zeit nach der Wirtschaftskrise vorbereiten. Die transport logistic 2009 wird wichtige Innovationen und Trends für die Zukunft zeigen. Ich nenne nur die Bereiche Umwelt und Energieeinsparung oder die Kontraktlogistik. Hier erwarte ich Impulse und Anreize für die Erschließung neuer Märkte, aber auch für die Sicherung des Status Quo. (red/Anja Behringer)

 
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