28.07.2010 |

Thüringen zieht positive Bilanz des Eurocombi-Tests

EuroCombi der Spedition Rigterink

Erfurt. Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU) hat angekündigt einen weiteren Einsatz von Eurocombi zu prüfen. Dazu solle es in der kommenden Woche eine Vorlage im Kabinett geben, sagte er heute in Erfurt. Anlass dieses Vorstoßes war die Präsentation der wissenschaftlichen Ergebnisse des Thüringer Pilotprojekts zum Einsatz von 25-Meter-Fahrzeugkombinationen. Dieses habe „durchweg positive Ergebnisse erbracht", hieß es.

Ein Wissenschaftlerteam der Fachrichtung Verkehrs- und Transportwesen der Fakultät Wirtschaft-Logistik-Verkehr der Fachhochschule Erfurt hatte von März 2008 bis Ende Dezember 2009 das Thüringer Pilotprojekt wissenschaftlich begleitet. Dank einer Sondergenehmigung hatte die Spedition H. Rigterink einen Eurocombi auf der Route zwischen ihrer Niederlassung Hermsdorf und der Firma Brandt Zwieback in Ohrdruf eingesetzt.

Bei unverändertem Gesamtgewicht von 40 Tonnen schaffte es der Thüringer Eurocombi auf der rund 105 Kilometer langen Strecke zwischen Hermsdorf und Ohrdruf täglich fast zwei Touren eines konventionellen Sattelkraftfahrzeugs einzusparen. Enorme Einsparpotenziale bieten sich laut Studie für die Verkehrs- und Umweltbelastung. Pro Jahr sind nach Berechnung der Wissenschaftler Einsparungen von 395 Touren oder 82.700 Kilometer Fahrstrecke (35 Prozent) sowie 12.000 Liter Dieselkraftstoff und damit rund 32 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß (18 Prozent) möglich. Auch die Stickoxid- und Partikelemissionen gehen demnach ebenso deutlich zurück. Die prozentuale Betriebskostenersparnis betrug neben der 18 Prozent Ersparnis beim Kraftstoff zudem 35 Prozent bei den Mautkosten sowie knapp 30 Prozent bei den Abschreibungskosten. Je nach Höhe der Löhne des Fahrpersonals ergibt sich eine mittlere Gesamtkostenersparnis von rund 25 Prozent.

Kreisverkehre waren kein Problem

In puncto Verkehrssicherheit ergab die Studie, dass Kurvenfahrten für den Eurocombi kein Problem darstellen, er lasse sich besser lenken als ein Sattelkraftfahrzeug. Von den zuständigen Polizeidirektionen Jena und Gotha konnten in Verbindung mit dem Pilotprojekt „weder Behinderungen, Fehlverhalten, Ordnungswidrigkeiten oder Verkehrsunfälle" ermittelt werden. Auch für die Straßenbelastung war der Eurocombi laut Ergebnis der Fachhochschule Erfurt eine Entlastung. So wurden die genehmigten Achslasten von 7,1 Tonnen auf der Vorderachse und 18,6 Tonnen für die Hinterachse der Zugmaschine sowie fünf Mal je 8 Tonnen des Sattelaufliegers im Projekt deutlich unterschritten.

Der in Thüringen eingesetzte EuroCombi war eine Kombination aus einem dreiachsigen Motorwagen, an den mittels einer Untersetz- oder Dollyachse ein Sattelanhänger angekuppelt wird. Es handelt sich damit um bekannte, standardisierte Fahrzeuge, die allerdings zu einer neuen Kombination zusammengestellt wurden. Die so entstandene Fahrzeugkombination hatte eine Gesamtlänge von 25 Metern. Gegenüber heute üblichen Fahrzeugkombinationen, von 18,75 Metern bei einem Gliederzug aus LKW und Anhänger oder 16,50 Metern bei einem Sattelkraftfahrzeug, bietet sie damit deutlich mehr Ladevolumen und darin besteht nach Ansicht der Wissenschaftler der entscheidende Vorteil. Die Möglichkeit, bei unverändertem zulässigen Gesamtgewicht, bis zu 50 Prozent mehr Ladevolumen anzubieten, komme den Entwicklungen im Straßengüterverkehr, hin zu leichteren, voluminöseren Gütern entgegen.

Die von der Spedition Rigterink eingesetzte Fahrzeugkombination war durch mehrere technische Details gekennzeichnet: Durch Fahrerassistenzsysteme (ABS, ASR, Bremsassistent, Roll Stability System, Spurassistent und Abstandsregel-Tempomat) wurde sie den Anforderungen an die Verkehrssicherheit gerecht. Der Sattelauflieger lag auf einer Dolly-Achse mit lenkbarem Radsatz (durch Drehbewegung der Zugdeichsel), wodurch auch Kreisverkehre, Kreuzungen und Autobahnbaustellen durchfahren werden konnten. (sb) 

 
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(Foto: FH Erfurt/S. Rödiger)

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