Warschau. Die Interessenvereinigung der privaten Bahngesellschaften für Frachtgut, ZNPK, hat gegen die polnische Regierung Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingebracht. Ihr Vorwurf: Polen hat im Dezember 2009 die Nutzungsgebühren zur Infrastruktur so geändert, dass dadurch der staatliche Marktführer PKP Cargo gegenüber den anderen Anbietern bevorzugt wird. Wie die Vertreter dieser Vereinigung, Rafal Milczarski, Vorsitzende und Leitender Direktor von Freightliner PL, und Krzysztof Sedzikowski, ZNPK-Vorstandsmitglied und Vorstandsvorsitzender von CTL Logistics, in Warschau erklärten, stellen diese Gebühren unerlaubte öffentliche Hilfen dar. Die ZNPK geht von 250 Millionen Zloty (62,5 Millionen Euro) pro Jahr aus, die die PKP Cargo dadurch einsparen kann. „In der neuen Gebührenordnung werden die Tarife für die leichteren Züge, die hauptsächlich von der PKP Cargo gefahren werden, bedeutend herabgesenkt“, sagte Milczarski. Der Manager hält diese Einsparungen, die der staatliche Monopolist dadurch erreichen kann, für sehr groß. „Und zwar insbesondere dann, wenn man seine derzeitige finanzielle Situation berücksichtigt“, so Milczarski. Die privaten Anbieter fahren seinen Aussagen zufolge hingegen mit schweren Zügen. „Für sie bedeuten diese Tarife einen wesentlichen und unbegründeten Anstieg der Kosten, was sich negativ auf ihre Konkurrenzfähigkeit auswirkt“, sagte der Manager. Die privaten Bahngesellschaften haben im April 2009 die ZNPK gegründet, um ihre Interessen gegenüber dem staatlichen Ex-Monopolisten PKP Cargo zu verteidigen. Die Unternehmen befürchten, sie könnten vom Markt verdrängt werden. (bec)
Streit in Polen: Billige Trassenpreise für Staatsbahn
Polnische Bahngesellschaften wehren sich mit einer Beschwerde in Brüssel gegen angeblich diskriminierende Infrastruktur-Preise