18.09.2009 |

Stimmung in der Schiffbaubranche wird gereizter

Hamburg. Der Wind in der deutschen Schiffbaubranche wird immer rauer. Am Freitag demonstrierten im Hamburger Hafen vor den Toren der Großwerft Blohm + Voss rund 2000 Mitarbeiter von Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen den Verkauf des zivilen Schiffbaus. Diese Sparte dürfe „nicht sterben“, forderte Jutta Blankau, Bezirksleiterin der IG Metall Küste unter dem Beifall der Werftarbeiter aus den drei TKMS-Standorten Emden, Kiel und Hamburg.

In der Hansestadt war am Freitag der Aufsichtsrat der Werftengruppe zusammengekommen, um über ein vom Werftvorstand vorgelegtes Zukunftskonzept zu beraten. Der TKMS-Vorstand will ein Votum bis zum 30.September erreichen, was die Arbeiternehmervertretungen und die Gewerkschaft IG Metall entschieden ablehnt und statt dessen mehr Zeit zum Nachdenken einfordert. Neben den Betriebsratsvorsitzenden der drei Standorte sowie weiteren Gewerkschaftsfunktionären sprach auch Hans-Christoph Atzpodien, Vorstandsvorsitzender von TKMS, zu den Arbeitnehmern. Deren Stimmung schwankte zwischen spontanen Wutausbrüchen und Resignation.

Die Betriebsratschefs stellten klar, dass sie zwar nicht gegen eine grundsätzliche Neuausrichtung des Schiffbaukonzerns in Richtung Offshore-Aktivitäten und Marineschiffbau seien. Doch eine völlige Verabschiedung aus dem zivilen Schiffbau, wie vom TKMS-Vorstand angestrebt, stieß auf den entschlossenen Widerstand der Arbeitnehmervertreter und Aufsichtsratsmitglieder. „Bei den Plänen von TKMS gibt es keine Gewinner, sondern nur Verlierer.“ Der Verkauf von Standorten beziehungsweise einzelnen Unternehmensteilen habe sehr wohl „massive Auswirkungen auf alle anderen Unternehmensbereiche“. Der Verlust von Arbeitsplätzen in der TKMS-Schiffbausparte sei damit programmiert. Diese zählt derzeit rund 5200 Beschäftigte.

TKMS-Vorstandssprecher Atzpodien warb unter lautstarken „Buh-Rufe“ um Verständnis für die Absichten des Vorstands. „Aber sehen Sie sich doch an, was im deutschen Schiffbau passiert ist.“ In den vergangenen Monaten seien auf deutschen Werften 54 Containerschiffe storniert worden. Im TKMS-Konzern seien rund 50 Prozent der Fertigungsauslastung weggebrochen, „weil Kunden und Banken nicht bezahlt haben“. Atzpodien weiter: „In dieser Situation ist es falsch, wenn so getan wird, als würden wir das Heil im Ausverkauf suchen. Das tun wir nicht.“ Das vom Konzernvorstand dem Aufsichtsrat unterbreitete Konzept bedeute unter anderem den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und die Beschäftigungssicherung an allen drei Standorten. (eha)

 
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