15.11.2011 | Transport + Logistik

Seehafenwirtschaft: „Wir befinden uns wieder auf Wachstumskurs“

Hamburg. Die deutschen Seehäfen haben die Folgen der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 weitgehend abgeschüttelt und „befinden sich wieder auf Wachstumskurs". Darüber freute sich der Klaus-Dieter Peters, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), am Dienstagmorgen bei der Vorlage der Jahresbilanz 2011 in Hamburg vor Journalisten. Im Anschluss daran fand die Mitgliederversammlung des Verbandes statt, der mit seinen 198 Mitgliedern etwa 95 Prozent aller deutschen Hafenbetriebe vertritt. Peters weiter: „Wir rechnen mit einem Plus von gut sechs Prozent bis Ende 2011 gegenüber dem Vorjahr auf dann 290 Millionen Tonnen." Im Vorjahr hatte sich der Mengenzuwachs auf gut fünf Prozent belaufen.

ZDS fordert viel mehr Geld für Ausbau der Hinterlandanbindungen

Trotz der spürbaren positiven Grundstimmung übersieht die deutsche Hafenwirtschaft jedoch nicht, dass sich die Wachstumskurve abflacht. Das gelte vor allem für die deutschen Exporte. Peters: „Wir können uns der gedämpften Weltkonjunktur nicht entziehen." Vor diesem Hintergrund rechnet der ZDS für 2012 zwar auch mit einem weiteren Umschlagmengenzuwachs auf den Terminals, jedoch im kleineren Umfang als 2011. Peters nannte „zwei Prozent" für alle deutschen Häfen im kommenden Jahr als „erreichbar".

Ein Sorgen-Dauerbrenner bleibt für den ZDS die aus seiner Sicht immer noch nicht bedarfsgerecht ausgebaute Seehafen-Hinterland-Infrastruktur: von Schienenverkehrswegen, über Kanäle, Schleusenbauwerke, Straßen bis hin zu den seewärtigen Zufahrten. Hier kann es für den ZDS nur eine Antwort geben: wesentlich mehr Geld bereitstellen. Zwar freut sich der Verband über jetzt vom Bund zusätzlich bewilligte eine Milliarde Euro für Infrastrukturausgaben. Doch das reiche immer noch nicht, bemängelte Peters. Schließlich gehe es darum, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Seehafen als Ganzes gegenüber ihren Mitbewerbern, allen voran den weiter stark im Ausbau befindlichen Westhäfen, zu erhalten.

Peters berichtete, dass sich die stark mittelständisch geprägte deutsche Seehafenverkehrswirtschaft mit großem finanziellen und auch ideellen Einsatz auf die Anforderungen einer neuen Energie-Erzeugung vorbereitet: die Offshore-Windenenergie. Die Ziele der Bundesregierung, was den Beitrag der Windenergie zur Gesamtenergie-Erzeugung betrifft, seien bekanntlich sehr ehrgeizig, erinnerte Peters: „Bis 2020 sollen Offshore-Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von bis zu zehn Gigawatt installiert sein. 2030 sollen es sogar schon 25 Gigawatt sein."

Für den ZDS-Präsidenten bedeutet das aber auch: „Die vorhandene Hafeninfrastruktur muss großzügig ertüchtigt werden." Vor dem Hintergrund einer nationalen Aufgabe, die auch mit Hilfe der deutschen Seehafenverkehrswirtschaft zu lösen ist, hält es Peters für geboten, dass der Bund den deutschen Häfen dabei unterstützend zur Seite steht. Peters denkt hier im Besonderen an Finanzmittel seitens der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Nachhaltige Warnung vor Verkehrsverlagerungen ab 2015

Mit einiger Sorge verfolgt der ZDS das Näherrücken des Jahres 2015, wenn in den heute in puncto Schiffsemissionen bereits „sauberen" Meeren Ost- und Nordsee sowie dem Ärmelkanal die schärfsten Schiffsemissions-Obergrenzen der Welt gelten sollen: 0,1 Prozent Schwefelanteil. Hier drohten empfindliche Verwerfungen zu Lasten des Seeverkehrs, weil einerseits mit einer erheblichen Verteuerung der qualitativ extrem hochwertigen Schiffstreibstoffe zu rechnen sei. Andererseits stehe Filtertechnik, sogenannte „Scrubber", bis dahin für die Schiffe nicht zur Verfügung: weder hinsichtlich ihrer Anzahl noch hinsichtlich ihrer technischen Reife. Für den ZDS kann ein Ausweg aus der absehbaren Sackgasse darin bestehen, dass „für die Bestandsschiffe ein mehrjähriges Moratorium des 0,1 -Prozent-Grenzwertes" festgelegt wird.

Ein klares „Nein" erteilt der ZDS erneuten Absichten der EU-Kommission, ein drittes sogenanntes Port Package aufzulegen. Im Kern strebt die EU-Kommission damit ein Konzessionsmodell für die Häfen und die in ihr sitzenden Hafenfirmen für die von ihnen genutzten, aber auch zuvor finanzierten Anlagen an. Nachdem bereits entsprechende Pakete in den Jahren 2003 und 2006 gescheitert seien, benötige man einen dritten Anlauf nicht. Peters wörtlich: „Das ist für uns völlig unverständlich." Die absehbare Wirkungen seien: Verlust von Arbeitsplätzen in den bislang Job-starken Häfen, eine schwindende Investitionsbereitschaft der Betriebe und damit eine schleichende Überalterung der Anlagen sowie eine nachhaltige Schwächung des Seehafen-Standortes Europa. (eha) 

 
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