Bern. Bei der Schweizerischen Post bläst momentan ein heftiger Wind, viele Kommentatoren sprechen gar von einem veritablen Sturm. Nach mehreren Abgängen in der Führungsetage gerät nun der für Postbelange zuständige Bundesrat Moritz Leuenberger enorm unter Druck. Er hatte den umstrittenen Post-Präsidenten Claude Béglé nominiert, und das offenbar auf Empfehlung einer guten Bekannten und ehemaligen sozialdemokratischen Politikerin, die heute als Headhunterin tätig ist. Leuenberger dürfte, so wie es momentan aussieht, kaum darum herumkommen, in diesem Bereich personelle Konsequenzen zu ziehen. Nach der Absetzung von Post-Chef Michel Kunz durch Béglé, nach nur acht Monaten im Amt, und dem Abgang des amtsältesten Verwaltungsrates Rudolf Hug hat vergangenen Dienstag ein weiterer langjähriger Verwaltungsrat entnervt das Handtuch geworfen. Wolfgang Werlés Begründung für seinen Austritt unterscheidet sich nicht von derjenigen seines früheren Amtskollegen Hug: Eine konstruktive Zusammenarbeit mit Verwaltungsratspräsident Claude Béglé ist unmöglich. Dass dieser eine mit großen Risiken behaftete Auslandstrategie ohne Absegnung durch den gesamten Verwaltungsrates nach außen vertritt, ist für die beiden zurückgetretenen Verwaltungsräte nicht akzeptabel. Über den bisherigen Leistungsausweis des als Machtmensch bekannten Béglé, der neu den bisherigen Postfinance-Chef Jürg Bucher an die Spitze setzte, zirkuliert Widersprüchliches, wie die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtete. Allgemein werde ihm vorgeworfen, mehr durch große Ankündigungen als durch konkrete Leistungen zu brillieren. Dieses Konfliktpotenzial musste Leuenberger bekannt gewesen sein, als er Mitte 2008 den damals bei der Deutschen Post auf ein Abstellgleis geschobenen Béglé zum Verwaltungsratspräsidenten wählen ließ. Dieser hatte den Kontakt – und wohl insbesondere den Ton – zum Kader und zu den übrigen Mitarbeitenden der Post nicht gefunden. So jedenfalls sind die Reaktionen zur Abwahl von Michel Kunz kurz vor Weihnachten zu deuten. Innerhalb von 24 Stunden protestierten im Post-Intranet gegen 100 Mitarbeitende unter voller Namensangabe gegen die Absetzung von Michel Kunz, der als einer der „Ihrigen“ betrachtet wurde. Béglé dagegen wird als Eindringling empfunden, der „außer einem unsinnigen Machtkampf bis jetzt nichts zustande gebracht hat“, wie ein erboster Postmitarbeiter schreibt. Es ist nicht das erste Mal, dass Bundesrat Leuenberger in der Rolle des Unternehmers überfordert ist. Und aus seinem Departement sind die Versuche, dem Chef beizustehen, nicht wirklich überzeugend. Nun soll eine von Leuenberger berufene Arbeitsgruppe die Lage bei der Post analysieren. Es ist wohl kaum abwegig anzunehmen, dass diese zum Schluss kommen könnte, dass mit Béglé der falsche Mann an die Spitze der Post gesetzt wurde – und das wiederum dürfte Bundesrat Leuenberger aus dem inzwischen aufgeschreckten Parlament unangenehme Fragen und Rücktrittsforderungen bescheren. (hrk)
Schweiz: Leuenberger gerät wegen Post unter Druck
Streit um Post-Präsident Claude Béglé bringt Verkehrsminister Moritz Leuenberger in Bedrängnis