Berlin. Deutschland investiert aus Sicht der Bahnlobby zu wenig in die Schiene und fällt deshalb international zurück. „Wir brauchen jährlich fünf Milliarden Euro Schieneninvestitionen“, sagte der Geschäftsführer des Bündnisses Allianz pro Schiene, Dirk Flege, am Freitag in Berlin. Die tatsächliche Summe für dieses Jahr liege bei 4,3 Milliarden Euro. Der Allianz gehören Verbände und Gewerkschaften an, unter den Förderern sind die Deutsche Bahn sowie die Bahn- und Bauindustrie. Mit Blick auf den geplanten Koalitionsvertrag warf Flege Union und FDP vor, bahnpolitisch die Zuschauerperspektive einzunehmen. „Er ist ein bahnpolitisches Dokument des Stillstands und ein verkehrspolitischer Rückschritt.“ Verkehrsträger wie Lastwagen würden gepäppelt, die Bahn nicht. Die Branche brauche Großprojekte in Deutschland, um ihre Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Flege präsentierte einen Vergleich, wonach Deutschland 2008 mit Investitionen von 47 Euro je Einwohner weit hinter Ländern wie der Schweiz (284) und Österreich (205), Großbritannien (136) und Spanien (84) zurücklag. Nicht berücksichtigt ist allerdings der Bedarf: Großbritannien und Spanien etwa arbeiten derzeit Rückstände auf. In diesem Jahr belaufen sich die deutschen Pro-Kopf- Investitionen in die Schiene den Angaben zufolge auf 52 Euro, mindestens 60 Euro seien aber notwendig. Weltweit seien 2008 rund 133 Milliarden Euro in den Schienenverkehr gesteckt worden - doppelt so viel wie 2004, sagte Studienleiter Lars Neumann von der Beratungsfirma SCI Verkehr. In den nächsten Jahren seien mindestens 180 Milliarden vorgesehen, davon 130 Milliarden Euro in China. (dpa)
Schienenlobby: Deutsche Bahnindustrie fällt zurück
Allianz pro Schiene: Zu wenig Investitionen, Deutschland fällt international zurück / Kritik an neuer Bundesregierung