21.08.2009 |

Russland: Kein Waffenschmuggel auf „Arctic Sea“

Moskau. Fünf Tage nach der Befreiung des angeblich entführten Holzfrachters „Arctic Sea“ hat die russische Justiz Haftbefehle gegen die acht mutmaßlichen Piraten erlassen. Den Verdächtigen werde die Entführung russischer Seeleute sowie Piraterie zur Last gelegt, teilten die Ermittler nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau mit. Die Verdächtigen, darunter auch ein Spanier, hatten die Vorwürfe zurückgewiesen. Sie behaupteten, für eine Umweltschutzorganisation gearbeitet zu haben. Dagegen stellte die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ die These auf, die Entführer der „Arctic Sea“ seien Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad, der den Schmuggel von Marschflugkörpern für den Iran an Bord des Frachters habe aufdecken wollen.

Russland NATO-Botschafter Dmitri Rogosin wies am Freitag erstmals offiziell Spekulationen um illegalen Waffentransport zurück. Die Mutmaßungen von Militärexperten über angebliche Marschflugkörper für den Iran, die unter der Holzladung versteckt gewesen sein könnten, seien „Fantasie“ und „lächerlich“, sagte Rogosin der Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“. Der Diplomat räumte ein, dass der Einsatz der russischen Schwarzmeerflotte zur Befreiung des Schiffes ein ungewöhnlich großer Aufwand gewesen sei. Dies habe Moskau jedoch wegen der russischen Seeleute an Bord und nicht wegen möglicher Raketen getan.

Entgegen früherer Angaben ist unter den Verhafteten auch ein Spanier. Die Haftbefehle ergingen zudem gegen einen Litauer, einen Russen sowie drei Staatenlose, hieß es. Die Nationalitäten von zwei weiteren Gefangenen müssten noch geklärt werden. Die Männer waren am Donnerstag zusammen mit elf der 15 Besatzungsmitglieder von der russischen Luftwaffe aus Westafrika nach Moskau gebracht worden. Der russische Geheimdienst habe den Verdacht, dass Besatzungsmitglieder an der Entführung des Schiffes beteiligt waren, berichtete das Internetportal Life.ru. Die Vernehmungen im früheren KGB-Gefängnis Lefortowo hätten am Donnerstag bis tief in die Nacht gedauert.

Der Sprecher der russischen Ermittlungsbehörden, Wladimir Markin, kündigte eine enge Zusammenarbeit mit anderen Ländern an. Mehrere EU-Länder hatten eine Einbeziehung in den Fall gefordert, nachdem zuletzt 20 Länden in die Suche nach der „Arctic Sea“ eingebunden waren. Markin machte keine Angaben, wann die Seeleute ihre Angehörigen wiedersehen dürfen. Die Familien beklagen, dass es nicht einmal telefonischen Kontakt zu den Seeleuten gegeben habe.

Die „Arctic Sea“ war nach offiziellen Angaben am Montag vor Westafrika aus der Gewalt von Piraten befreit worden. Nach russischer Darstellung hatten die Seeräuber den Frachter am 24. Juli vor der schwedischen Küste in ihre Gewalt gebracht. Der Kapitän sowie drei Seeleute halten weiter Wache auf dem drei Wochen lang vermisst gemeldeten Frachter. Das Schiff nahm mittlerweile von der Küste des Inselstaats Kap Verde Kurs auf den russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk. (dpa)

 
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