17.11.2008 | Transport + Logistik

Post-Chef Appel: Trotz Filialschließungen sind Kunden zufriedener

Istanbul. Post-Vorstandschef Frank Appel will an den Plänen zur Schließung sämtlicher eigener Filialen innerhalb der nächsten drei Jahre festhalten. Die Erfahrungen mit dem Übergang von Filialen mit eigenem Personal zu anderen Standorten wie Läden hätten gezeigt, dass die Kunden damit "zufriedener" seien, sagte Appel in Istanbul. "Die Kunden profitieren in der Regel von längeren Öffnungszeiten. Sie können ihr Paket oder ihre Briefsendung beim Zeitschriftenhändler etwa auch noch am frühen Abend oder am Samstagnachmittag aufgeben." Dies sei vor allem auf dem Land mit engen Öffnungszeiten früherer Filialen nicht der Fall gewesen.

Die Umwandlung tausender früherer Standard-Postfilialen in so genannte Mini-Filialen oder Postagenturen, die meist von Fremdpersonal wie Händlern betrieben werden, habe "hervorragend" geklappt, sagte Appel. In der Öffentlichkeit habe es dazu auch Missverständnisse gegeben. "Vorher hat es eine schlechte Presse gegeben und nun stellen wir fest, dass der Service stimmt und es eine hohe Kundenzufriedenheit gibt." Neben längeren Öffnungszeiten gebe es kürzere Schlangen.

Wenn an verschiedenen Orten nun Kommunen einsprängen, um nach der Schließung örtlicher Filialen eine Postdienstleistung vor Ort auch mit dem Einsatz kommunaler Mittel zu gewährleisten, sei das deren Sache, sagte Appel. "Keine Kommune ist dazu gezwungen." Diese neue Praxis gilt als strittig, denn an sich sollen Postdienstleistungen durch die Post oder andere private Anbieter erbracht werden.

Für ihn stehe außer Frage, dass der Post-Konzern trotz der Einschnitte bei früheren Angebots-Strukturen und auch eines stärkeren Gewichts des globalen Logistik-Geschäfts auch weiter am Briefgeschäft festhalten werde, sagte Appel. Deshalb werde die Post auch nach einer Veräußerung der Tochter Postbank an die Deutsche Bank weiterhin die 850 großen Postbank-Center wie bisher als wichtigste Stationen nutzen. Dies sei bis zum Jahr 2017 vereinbart. "Wir brauchen eine zuverlässige Plattform für uns."

Das nationale Briefgeschäft ist für den Post-Konzern, der vor allem wegen eines hohen Defizits im US-Expressgeschäft in diesem Jahr voraussichtlich einen Milliarden-Verlust ausweisen wird, bei einem nur langsam wachsenden Wettbewerb im Heimatmarkt immer noch der Hauptgewinnbringer.

Erstmals nach Jahren des Stellenabbaus könnte sich bei den Zustellern in Deutschland auf Grund zu hoher Belastung und Engpässen eine Wende ergeben. Der Post-Chef schloss nicht aus, dass es zu Neueinstellungen kommen könnte, falls es tatsächlich Lücken gebe, die nicht durch flexibleren Arbeitseinsatz zu schließen seien. "Ob es neue Stellen geben muss, wird sich noch zeigen. Darüber wollen wir mit der Gewerkschaft Verdi sprechen." Mit der angekündigten befristeten Einstellung von rund 1000 Briefträgern zeige die Post hier "guten Willen", um eine Lösung zu finden. Forderungen nach rund 10.000 neuen Zustellern, wie sie von Verdi erhoben worden seien, seien allerdings unrealistisch hoch. Sie würden für die Post höhere Personalkosten von bis zu einer halben Milliarde Euro bedeuten. (dpa)

 
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