23.03.2010 |

Politik reagiert verhalten auf Eurocombi-Vorstoß der Verbände

Berlin. Das gemeinsame Papier von elf Wirtschaftsverbänden zum Einsatz überlanger LKW ist in der Politik zurückhaltend aufgenommen worden. Der CDU/CSU-Verkehrsexperte Dirk Fischer sieht die Koalitionsvereinbarung von Union und FDP als „klare Richtschnur“, die das Vorgehen bestimmen müsse. „Wir wollen neue Nutzfahrzeugkonzepte durch die maßvolle Erhöhung der LKW-Fahrzeuggrößen und -gewichte ermöglichen“, betonte Fischer auf Anfrage der VerkehrsRundschau. Und zu dem Papier heißt es in der Stellungnahme eher kühl: „Die Verbände bieten ihre Unterstützung an, die das Bundesverkehrsministerium sicher berücksichtigen wird“. Der Einsatz der Eurocombis müsse dazu beitragen, „dass der Verkehr auf unseren Straßen effizienter, umweltfreundlicher und auch sicherer wird“.

Ähnlich äußert sich Fischers FDP-Kollege Patrick Döring, der ausdrücklich darauf hinweist, dass 60-Tonnen-Fahrzeuge laut Koalitionsvertrag ausgeschlossen seien. Allerdings spricht Döring auch von der Notwendigkeit, bei Volumentransporten die Möglichkeiten für einen sparsamen und umweltfreundlicheren Straßentransport nicht ungenutzt zu lassen.

Der SPD-Verkehrsexperte Uwe Beckmeyer sieht sich durch den Anforderungskatalog in seiner Ablehnung der Eurocombis bestätigt. „Mit ihrem Anforderungskatalog zum Einsatz von Eurocombis räumen auch die Wirtschaftsverbände endlich ein, was alle längst wissen: Die Folgen für Infrastruktur, Verkehrssicherheit und Klima wären fatal. Das haben alle bisherigen Untersuchungen gezeigt. Einen weiteren Feldversuch braucht es nicht“. Beckmeyer kritisierte: „Die Forderung der Verbände, dass die Fahrzeugkomponenten im Kombinierten Verkehr transportierbar sein müssten, ist nicht mehr als ein Feigenblatt. Der umweltfreundliche Schienenverkehr gerät durch den Einsatz von Eurocombis weiter unter Druck“.

Auch der Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter lehnt einen Einsatz von überlangen LKW klar ab und weiß sich damit einig mit Schienenverbänden. „Riesen-LKW dienen der Rückverlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße und setzen damit falsche Signale“, kritisierte er. Außerdem bewirke der Einsatz der Eurocombis zusätzliche Infrastrukturkosten, „da es zumindest an Verkehrsknotenpunkten zu Engpässen kommen wird, die durch neue Infrastrukturmaßnahmen aufgefangen werden müssen“.

Vergangene Woche hatten die Wirtschaftsverbände BDI, BVH, BGA, BGL, Biek, BWVL, DIHK, DSLV, VDA, VdTÜV sowie die Dekra in einem gemeinsamen Papier dem Bundesverkehrsministerium ihre „fachliche Expertise“ bei dem geplanten deutschlandweiten Testlauf mit Eurocombis angeboten. Ziel dieses Feldversuchs sollte es sein, „die Vorteile innovativer Nutzfahrzeugkonzepte in ihren verschiedenen Varianten im realen Praxistest nachzuweisen“. (jök/sb)

 
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