11.12.2009 |

Nordseewerk Emden: Letzter Stapellauf nach 106 Jahren

Emden. Nach 106 Jahren ist die Epoche des Schiffbaus bei den Emder Nordseewerken zu Ende gegangen. Mehr als 2000 Zuschauer, darunter viele Schulklassen aus Ostfriesland, verfolgten am Freitag den vorerst letzten Stapellauf. Die 228 Meter lange «Frisia Cottbus» für 3400 Container ist das sechste und letzte Schiff einer Serie, die in Emden und Kiel gebaut wurde. Der Werftenverbund ThyssenKrupp hat die Nordseewerke zum Januar 2010 an das Stahlbauunternehmen Siag Schaaf Industrie AG verkauft. Siag will dort Teile für Offshore-Windkraftanlagen herstellen.

Während der schlichten Zeremonie ohne Taufe kamen vielen Zuschauern die Tränen, als der Neubau unter Sirenengeheul ins Wasser glitt. Siag-Vorstandschef Rüdiger Schaaf warb bei den Werftarbeitern um Vertrauen für die Zukunft. Neben dem Stahlbau für Windkraftanlagen könne Siag auch Offshore-Plattformen bauen und werde das Thema Schiffbau nicht aus den Augen verlieren: «Wer behauptet, dass es hier der letzte Stapellauf sein muss? Für mich es der erste.» Die Belegschaft solle nicht wehmütig in die Vergangenheit schauen, sondern nach vorne.

Der Geschäftsführer der Nordseewerke, Christian Eckel, rechnet noch für drei Jahre mit Restarbeiten im Schiffbau. Dabei werde sich Kurzarbeit für einen gewissen Zeitraum nicht vermeiden lassen. Betriebsbedingte Kündigungen solle es jedoch nicht geben. Eckel und Betriebsratschef Erwin Heinks erinnerten an den Ideenreichtum und innovative Konzepte in der langen Werftgeschichte. Dort seien die bis heute schnellsten Containerschiffe der Welt gebaut worden.

Über Emden hänge heute ein Trauerflor, sagte Oberbürgermeister Alwin Brinkmann, der als Lehrling auf der Werft gearbeitet hatte. «Das ist die beste Werft im ThyssenKrupp-Verbund. Sie hatte nur einen Nachteil: Sie steht in Emden/Ostfriesland und nicht in Hamburg.»

Wegen der Krise im Schiffbau stellen die Nordseewerke nach Angaben von ThyssenKrupp künftig keine neuen Schiffe mehr her. Unter Führung der ThyssenKrupp Marine Systems werden der Schiffsreparatur- und Ausrüstungsbetrieb sowie der Engineeringbereich für Marineschiffe jedoch weiter betrieben. Siag will mehr als 700 Werftarbeiter übernehmen, der Rest soll bei ThyssenKrupp verbleiben. (dpa)

 
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